Als Gemma Galgani neun Jahre alt war, drängte sie so inbrünstig zur ersten heiligen Kommunion, dass ihr Beichtvater, der spätere Bischof Volpi, dem Vater erklärte: „Wenn sie nicht vor Sehnsucht sterben soll, darf man sie nicht länger warten lassen.“ Gemma wurde zugelassen, obwohl das Alter nach damaliger Praxis zu jung war. Was sie danach sagte, klingt nicht nach einem Kind: „Ich fühlte mich von der Welt losgeschält.“ Von diesem Tag an bis zu ihrem letzten Atemzug war die Eucharistie die Mitte ihres Lebens. Nicht eine fromme Praxis neben anderen. Die Mitte.
„Gebt mir Jesus, und ich werde nicht mehr sündigen“
Schon als kleines Mädchen bei den Schwestern der heiligen Zita hatte Gemma eine Art, die ihre Lehrerinnen verblüffte. Sie lief zu ihnen und sagte: „Gebt mir Jesus, und ihr werdet sehen, wie gut ich sein werde. Ich werde nicht mehr sündigen. Gebt ihn mir – ich sehne mich so sehr nach ihm, dass es unerträglich wird.“ Das ist keine kindliche Frömmigkeit. Das ist eine Anthropologie. Gemma hat verstanden, was die Theologie in Definitionen fasst: dass der Mensch ohne Gott nicht heil werden kann, und dass die Kommunion der Ort ist, wo Gott sich am direktesten schenkt. Sie sagte nicht: Gebt mir einen frommen Gedanken. Gebt mir eine gute Regel. Sie sagte: Gebt mir Jesus.
Der Morgen beginnt mit Jesus
Später, im Haus Giannini, hatte Gemma eine feste Tagesordnung, die sie P. Germano einmal aufschrieb. Ganz oben auf der Liste, vor allen anderen Einträgen, steht: „Der Morgen mit Jesus um sieben Uhr.“ Nicht: Morgengebet. Nicht: Betrachtung. Der Morgen mit Jesus. Die Kommunion war für Gemma nicht eine unter mehreren Andachten – sie war das Fundament, auf dem alles andere ruhte. In einem Brief an P. Germano schreibt sie: „Jeden Morgen gehe ich zur heiligen Kommunion: der größte und einzige Trost, den ich habe.“ Der einzige. In einer Zeit, in der die Ekstasen nachließen, die Trostlosigkeit zunahm und die Krankheit fortschritt, blieb eines: die Kommunion.
Was sie dabei empfand
Gemma hat versucht, zu beschreiben, was beim Empfang der Kommunion in ihr vorging. Ihre Sprache versagt dabei – und dieses Versagen ist selbst beredt: „Jesus, sobald er auf meine Zunge kam – diese so oft Ursache so vieler Sünden – machte er sich sofort fühlbar. Ich war nicht mehr in mir selbst, sondern Jesus war in mir; er stieg in meine Brust herab. Was für glückliche Augenblicke verbrachte ich mit Jesus! Wie hätte ich seine Zuneigung erwidern können?“ An anderer Stelle: „Gestern, in der Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Sakrament, fühlte ich mich so heftig brennen, dass ich gehen musste. Ich war erstaunt, dass so viele so nahe bei Jesus bleiben konnten, ohne zu Asche zu werden.“ Das ist keine Übertreibung. Das ist die Erfahrung eines Menschen, für den die reale Gegenwart Jesu in der Eucharistie keine fromme Redewendung ist, sondern eine unmittelbare Wirklichkeit.
Die Frage, die sie nicht loslässt
Aus dieser Erfahrung heraus stellt Gemma in einem Brief an P. Germano eine Frage, die sie nicht loslassen kann: „Ist es möglich, dass es Seelen gibt, die nicht verstehen, was die seligste Eucharistie ist? Die unempfindlich sind für die göttliche Gegenwart, für die geheimnisvollen und glühenden Ergüsse des Heiligsten Herzens meines Jesus? O Herz Jesu! Herz der Liebe!“ P. Germano kommentiert diesen Brief mit einem Satz, der vielleicht der dichteste über Gemmas eucharistisches Leben ist: „Ich könnte Hunderte von Affekten zitieren, die in ihrem jungfräulichen Herzen in der Gegenwart ihres Gottes vibrierten – aber mein Raum lässt das nicht zu.“ Er hat nicht genügend Seiten, um zu beschreiben, was in ihr vorging.
Vorbereitung und Nachbereitung
Für Gemma endete die Kommunion nicht mit dem Empfang. Die Zeit danach war ihr heilig. Cäcilia Giannini berichtet, dass sie nach der Kommunion in der Kirche della Rosa nicht wie sonst in einen Winkel zurückkehrte, sondern an der Kommunionbank verweilte – in einem Schweigen, das niemand unterbrechen wollte. Und die Nacht davor? In ihrem Tagebuch schreibt Gemma: „Letzte Nacht und die Nacht davor, wenn ich an die heilige Kommunion dachte, fühlte ich mich ohnmächtig werden und mein Herz war in Aufruhr. Gestern Abend vor dem Abendessen betete ich: „Gib mir, o Herr, dass ich von diesem kleinen Mahl zu deinem großen Abendmahl übergehe.“ Die Kommunion als Vorgeschmack des ewigen Mahles. Das ist keine Theologie aus dem Lehrbuch – das ist Theologie aus der Erfahrung.
Ein Gebet Gemmas
Gemma hat kein eigenes Kommuniongebet hinterlassen, das ausdrücklich als solches bezeichnet wäre. Aber ihre Briefe und ihr Tagebuch sind voll von Worten, die beim Empfang Jesu gespürt wurden. Eines der berührendsten: „Was würde aus mir, wenn ich nicht alle meine Zuneigung dem heiligen Altarsakrament widmete? O ja, ich weiß es, mein Herr: damit du mich des Paradieses im Himmel würdig machst, gibst du mir die Kommunion hier auf Erden!“ Kommunion als Anfang des Himmels. Nicht Symbol. Nicht Gedächtnis. Anfang.
Was Gemma uns über die Eucharistie lehrt
Gemma Galgani hat keine Abhandlung über die Eucharistie geschrieben. Sie hat keine Theologie des Altarsakraments entwickelt. Sie hat einfach kommuniziert – täglich, sehnlichst, mit dem ganzen Herzen.
Und gerade darin liegt ihre Lehre: dass die Eucharistie nicht zuerst ein Mysterium des Verstehens ist, sondern ein Mysterium des Empfangens. Nicht begreifen, sondern essen. Nicht analysieren, sondern kommen. Sie fragt in jener Verwunderung, die nur aus wirklicher Erfahrung stammt: Wie kann man so nah bei Jesus sein und nicht zu Asche werden? Die Frage ist keine Kritik. Sie ist ein Staunen. Und dieses Staunen ist vielleicht das Schönste, was Gemma über die Eucharistie hinterlassen hat. Nicht einen Traktat. Ein Staunen.
„Gebt mir Jesus – ich sehne mich so sehr nach ihm, dass es unerträglich wird.“ — Gemma Galgani als Kind, zu ihren Lehrerinnen
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