Verehrung der fünf Wunden

Hinführung: Gemma Galgani und die Verehrung der fünf Wunden

Die Verehrung der fünf Wunden Christi — an den Händen, den Füßen und in der Seite — gehört zu den ältesten und tiefsten Andachtsformen der Kirche. Sie geht zurück auf das Evangelium selbst: Der Auferstandene zeigt den Jüngern seine Wunden als Zeichen seiner Identität und seiner Liebe (Joh 20,20.27). Seit den Anfängen der christlichen Mystik haben Heilige diese Wunden betrachtet, verehrt und — in seltenen Fällen — an ihrem eigenen Leib empfangen.

 

Die heilige Gemma Galgani (1878–1903) gehört zu diesen seltenen Seelen. Schon als kleines Kind nahm ihre Mutter Aurelia sie auf den Schoß, zeigte ihr das Kruzifix und sprach zu ihr von den Leiden Jesu: „Schau, Gemma, dieser gute Jesus ist für uns am Kreuz gestorben!" Das Kind nahm diese Erzählung begierig auf und bettelte: „Sag mir mehr, Mama, sag mir mehr." Was die Mutter gesät hatte, trug Frucht: Gemma betete zeitlebens den Rosenkranz der fünf Wunden Jesu — fünf Vaterunser zu Ehren jeder einzelnen Wunde. In einem Brief an ihren Seelenführer P. Germano beschreibt sie, wie sie nach der Beichte niederkniete und „fünf Vaterunser zu Ehren der fünf Wunden Jesu" betete, und bei der vierten Wunde Jesus vor sich sah, „mit Geißelstreichen ganz überdeckt, das Herz geöffnet und stark blutend." Am 8. Juni 1899 empfing sie selbst die Stigmata: Wundmale an Händen, Füßen und in der Seite. Von diesem Tag an trug sie in ihrem eigenen Leib, was sie im Gebet betrachtet hatte. In ihrer Autobiografie beschreibt sie, wie Jesus ihr seine fünf offenen Wunden zeigte und sagte: „Schau, Tochter, und lerne zu lieben."

 

Das folgende Gebet stammt (leicht modifiziert) von der heiligen Klara von Assisi (1194–1253), der Gefährtin des heiligen Franziskus, der als erster namentlich bekannter Stigmatisierter die fünf Wunden an seinem Leib trug. Das Gebet betrachtet jede Wunde einzeln — rechte Hand, linke Hand, rechter Fuß, linker Fuß, Seite — und verbindet die Anbetung des leidenden Christus mit der Bitte um Vergebung, Schutz und Beharrlichkeit. Es steht in derselben Tradition der Wundenverehrung, die Gemma von ihrer Mutter gelernt und bis zu ihrem Tod praktiziert hat.

Gebet zu den fünf Wunden

1. Gebet und Lob vor der Wunde der rechten Hand

Lob und Ehre sei dir, Herr Jesus Christus, für die heiligste Wunde deiner rechten Hand. Durch diese heilige Wunde vergib mir all meine Sünden, durch die ich gegen dich gefehlt habe: in Gedanken, Worten und Werken, durch Nachlässigkeit in deinem Dienst und durch Wohlgefallen an den Vergnügungen, im Schlafen und im Wachen. Und gewähre mir durch dein verehrungswürdiges Leiden, dass ich deinen Tod, den du so liebreich auf dich nahmst, und deine heiligen Wunden recht im Gedächtnis trage und dir, mit deiner Gnade, durch die Abtötung meines Leibes meinen Dank erzeige. Der du lebst und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

2. Vor der Wunde der linken Hand

Lob und Ehre sei dir, liebster Herr Jesus Christus, für die heiligste Wunde deiner linken Hand. Durch diese heilige Wunde erbarme dich meiner, und verwandle, ich bitte dich, alles, was dir an mir missfällt. Verleih mir den Sieg wider die Bosheit deiner Feinde, dass ich sie in deiner Kraft zu überwinden vermag. Und befreie mich durch dein liebreiches Sterben von allen Gefahren dieses und des künftigen Lebens. Und lass mich würdig werden deiner Herrlichkeit in deinem Reich. Amen.

 

3. Vor der Wunde des rechten Fußes

Lob und Ehre sei dir, mein Herr Jesus Christus, für die heiligste Wunde deines rechten Fußes. Durch diese heilige Wunde gewähre mir, Buße zu tun für meine Sünden, so wie es recht ist. Und durch dein

liebreichstes Sterben, so bitte ich inständig, mögest du mich Tag und Nacht in deinem Willen bewahren, mich allen Gefahren für Leib und Seele entreißen, meine Seele an jenem Tag des Schreckens in deine Treue und Barmherzigkeit aufnehmen und zu den ewigen Freuden führen. Amen.

 

4. Vor der Wunde des linken Fußes

Lob und Ehre sei dir, liebreichster Herr Jesus Christus, für die heiligste Wunde deines linken Fußes. Durch diese heilige Wunde gewähre mir Verzeihung und vollkommene Tilgung der Strafen, so dass ich dem Gericht entgehe, weil du mir zu Hilfe eilst. Und durch dein heiligstes Sterben, mein liebreichster Herr, bitte ich dich, werde mir gewährt, dass ich vor dem Tag meines Hinscheidens das Sakrament deines süßesten Leibes und Blutes empfangen darf und dass mir dazu ein aufrichtiges Bekenntnis meiner Sünden und vollkommene Bußgesinnung geschenkt wird, die geistliche und leibliche Keuschheit und der Empfang der heiligen Ölung, zum ewigen Heile. Amen.

 

5. Vor der Seitenwunde

Lob und Ehre sei dir, gütigster Herr Jesus Christus, für die heiligste Wunde deiner Seite. Durch diese heilige Wunde und die strömende Fülle deines Erbarmens, das du bei der Öffnung deiner Seite dem Soldaten, nun aber uns allen gezeigt hast, bitte ich dich: Liebreichster Jesus, der du mich in der Taufe von der Erbsünde gereinigt hast, befreie mich ebenso durch dein kostbarstes Blut, das heute auf dem ganzen Erdkreis dargebracht und empfangen wird, von allem Bösen, sei es vergangen oder zukünftig. Durch deinen bitteren Tod gewähre mir rechten Glauben, sichere Hoffnung und vollendete Liebe, so dass ich mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft dich lieben möge; stärke mich in guten Werken und schenke mir Tapferkeit und Beharrlichkeit in deinem heiligen Dienst, so dass ich vollkommen dir gefallen kann, hier und ohne Ende. Amen.

 

V Die fünf Wunden Gottes.

R Seien meine Arznei.

V Durch die fünffache Durchbohrung.

R Entreiße mich, Christus, dem Untergang.

V Schenk deinen Frieden, Christus.

R Durch die fünf Wunden.

 

Lasset uns beten:

Allmächtiger, ewiger Gott, der du das Menschengeschlecht in den fünf Wunden deines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn, erlöst hast, erhöre unser Flehen: Bewahre deine Diener, die diese Wunden täglich verehren, durch das kostbare Blut Christi vor einem plötzlichen Tod, und lass uns dem ewigen Tod entrinnen. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.