✠
der heiligen
Gemma Galgani
(1878–1903)
Geordnet nach den Themen
LIEBE · VERTRAUEN · BARMHERZIGKEIT
aus Briefen, Ekstasen, Tagebuch und Autobiografie
Gemma Galgani (1878–1903) war eine junge Frau aus Lucca in der Toskana, deren kurzes Leben von einer überwältigenden Intensität geprägt war. Früh verwaist, von Krankheit gezeichnet, in Armut lebend – und doch durchströmt von einer Liebe, die alles überstieg, was die Welt ihr zu bieten hatte.
Die vorliegende Sammlung vereint 100 tiefe und schöne Zitate – ausschließlich Gemmas eigene Worte, nicht Worte Jesu, Mariens oder der Engel an sie. Wo Gemma in einem Dialog antwortet oder Jesus zitiert, um ihren eigenen Gedanken Ausdruck zu verleihen, wurde dies beibehalten. Die Zitate sind drei großen Themen zugeordnet: Liebe (40 Zitate), Vertrauen (30 Zitate) und Barmherzigkeit (30 Zitate).
Die Quellen sind ausschließlich die vier vorliegenden Dokumente: Gemmas Autobiografie, ihre Briefe (an Mons. Volpi, P. Germano und an Ordensschwestern), ihre ekstatischen Gespräche (aufgezeichnet von der Familie Giannini) und ihr Tagebuch vom Sommer 1900. Bei jedem Zitat ist die genaue Quelle angegeben.
„Wie soll ich es machen, dich zu lieben?"
Die Liebe zu Jesus ist das glühende Zentrum von Gemmas Leben. Sie schreibt, als stünde sie in Flammen – nicht mit der Sprache einer Theologin, sondern mit der atemlosen Leidenschaft einer jungen Frau, die sich ganz an den Geliebten verloren hat. In ihren Briefen, Ekstasen und ihrem Tagebuch bricht diese Liebe mit überwältigender Gewalt hervor: zart und feurig zugleich, kindlich und von einer Tiefe, die alles Irdische hinter sich lässt.
„O Liebe, unendliche Liebe! Befreie mich von diesem Körper, lass mich heraustreten aus diesem Leib oder höre auf, denn ich halte es nicht mehr aus. O Liebe, Liebe Jesu, dich werde ich niemandem abtreten! Das Wenige an Liebe, das ich besitze, werde ich nicht einmal den Heiligen im Himmel oder euch Geschöpfen der Erde schenken. Dieses bisschen Liebe gehört mir. Niemand – das ist mein Wille – soll mich übertreffen in der Liebe zu Jesus."
Ekstasen, Nr. 4
„Wann, wann endlich werde ich mich mit dir vereinigen, der mich schon auf Erden mit solcher Gewalt der Liebe an sich gefesselt hält? Tue es, tue es! Möge ich sterben vor Liebe! Welch schöner Tod, als Opfer deiner Liebe, als Opfer für dich zu sterben! Bewirke, dass deine Liebe mich ganz durchdringe, etwas anderes will ich nicht von dir."
Ekstasen, Nr. 4
„Schnell, Jesus, entzünde mich, aber von demselben Feuer, wovon du brennst! O Jesus, was ist doch diese gewaltige Anziehungskraft, die mich so fest mit dir verbindet? Ist es dein Herz, das unter dem meinen schlägt? Welche Gewalt der Liebe!"
Ekstasen, Nr. 4
„Weißt du, warum ich in der Welt nie eine Liebe gefunden, so aufrichtig wie die deine? Weil deine Liebe unermesslich ist. Um dich zu lieben, liebe ich es, andere nicht zu lieben. Jesus auf Erden, Jesus im Leben und Jesus im Himmel: Das ist es, was mich aufrechterhält. O Jesus, wer könnte sagen, was in einem ganz vor Liebe glühenden Herzen vorgeht?"
Ekstasen, Nr. 12
„O heilige Liebe, entzünde mich. Alles ekelt mich an, alles wird mir zur Last; es gibt nichts auf Erden, nach dem ich Verlangen trüge: ich liebe, ich ersehne nur die himmlische Liebe. Nur den einen Wunsch hätte ich noch: Nach meinem Tod sollten alle sagen können: Gemma ist ein Opfer der Liebe gewesen, sie ist nur als Opfer der Liebe gestorben, damit alle Jesus liebten."
Ekstasen, Nr. 22
„Meine Seele, was suchst du auf dieser Welt? Ich weiß es, ich kenne es, du willst lieben ... liebe Jesus ... liebe Jesus. O mein Gott, wenn ich allein bin, weiß ich niemanden zu lieben als dich. Meine Seele, Jesus allein, Jesus allein! Wenn du Jesus besitzt, dann tue, was du magst. Wenn du den Frieden willst, suche Jesus allein!"
Ekstasen, Nr. 22
„Mein Gott, mein Jesus, mein Erlöser! Für dich möchte ich immer brennen, für dich allein schlage mein Herz, für dich möchte ich leben und sterben aus reiner Liebe. Dir gehöre ich, für dich bin ich geboren; sage mir, was du von mir willst."
Ekstasen, Nr. 22
„O Jesus, welche Freude, wenn ich nicht mehr mir angehöre – dann werde ich ganz dein sein ... Ich weiß nur, dass die Erde mir entschwindet: ich weiß, dass ich glücklich bin; ich weiß, dass ich alles vergesse ... Welche Süßigkeit, Jesus, in der Kommunion! Lass mich dort Wohnung nehmen, mein Jesus, mein Alles. In innigster Vereinigung mit dir will ich leben, in deiner Umarmung will ich sterben."
Ekstasen, Nr. 19
„Komm, komm, Jesus; wenn du mir Freude bereiten willst, so sprich zu mir von deiner Wonne. Wie gut bist du, Jesus; wenn ich dir gegenüber noch so undankbar bin, bewahrst du mir doch deine Liebe! Wie geduldig erträgst du mich! Ich darf es sicher behaupten, Jesus, dass dein Herz mich nicht vergessen hat."
Ekstasen, Nr. 12
„Lass mich dich Vater nennen. Wie mich deine Gegenwart tröstet, deine Liebe, dein Lächeln! Ja, weil du gegen mich so freigebig und großmütig bist, lass dich Vater nennen, weil keiner wie du meine Schwächen verzeiht. Jesus, du bist ein Abgrund der Liebe, ich ein Abgrund der Bosheit."
Ekstasen, Nr. 6
„Hier, Jesus, hier in meinem Herzen will ich ein Zelt aus Liebe aufschlagen: du allein darfst eintreten. Ich werde dich immer darin gefangen halten, ich lasse dir nicht mehr die Freiheit, bis du mir jenen Trost gewährt hast, den ich so sehr wünsche."
Ekstasen, Nr. 9
„Jesus, wie befindest du dich in meinem Herzen? Sag mir doch, Jesus, wie geht es dir im engen Kämmerlein meines liebenden Herzens? Bestimme es, o Jesus, als deine Wohnung für immer, bestimme es dafür heute Morgen, von dieser Stunde, von diesem Augenblick an."
Ekstasen, Nr. 9
„Ja, ich schlafe, allein, o Jesus, das Herz schläft nicht, es wacht alle Stunden mit dir. Und ihr verlangt Liebe? Nehmt alle hin, ich besitze keine mehr ... Das Herz, das bereits euch gehört, schenke ich euch von Neuem."
Ekstasen, Nr. 12
„Jesus, mein süßes Gut, Schatz meiner Seele, mach aus mir, was dir gefällt, wenn ich nur niemals von dir getrennt werde. Ich will alles annehmen, was du mir schickst. Jesus, du wirst meine liebevolle Beute sein. So wie ich die Beute deiner unermesslichen Liebe bin."
Ekstasen, Nr. 9
„Wenn du bloß im Himmel wohntest, dann würde, dessen darfst du sicher sein, mein Herz brechen. Ich werde dich immer lieben: wenn der Tag anbricht, wenn es Nacht wird, zu allen Stunden, in jedem Augenblick ... Immer, immer, immer will ich dich lieben ... Ich werde dich nie mehr verlassen."
Ekstasen, Nr. 18
„Wenn du am Morgen auf meine Zunge kommst und dann in mein Herz hinabsteigst, vergesse ich alles ... die Trübsale, die Erde, ich koste nur dich. Welches Geheimnis! Ich fühle mich in den Himmel versetzt."
Ekstasen, Nr. 20
„Wie soll ich es machen, Jesus, um meine Brust vor deinem Feuer zu verbergen? Komm, Jesus, ich öffne dir mein Herz, führe das göttliche Feuer dort ein. Du bist Flamme und möchtest nun, dass mein Herz sich in Flammen verwandle. Gib mir ein Plätzchen im Kämmerlein deines Tabernakels."
Ekstasen, Nr. 5
„Man muss nur lieben lernen. Die Schule ist im Abendmahlssaal, der Lehrer ist Jesus, die Fächer, die man erlernen muss, sind sein Fleisch und sein Blut."
Ekstasen, Nr. 19
„Oh, nun habe ich das Feuer gefunden, das alle meine Sünden vernichtet; ich habe den Eifer entdeckt, der alle meine Lauheit beseitigt; ich bin auf die Flamme gestoßen, die alle meine Leidenschaften zerstört!"
Ekstasen, Nr. 10
„Du bist die Stütze meines Lebens, das Feuer meines Herzens, der Stern meiner Augen. Willst du die Liebe meines Herzens ganz für dich? Sei du wenigstens der erste Gegenstand dieser Liebe."
Ekstasen, Nr. 22
„Für dich, Jesus, opfere ich gerne alles, dir schenke ich alles, den Leib wie den Geist; dir übergebe ich mein Herz mit all seinen Gefühlen; dir weihe ich den Leib mit all seinen Schwächen; dir schenke ich die Seele ... Ich gehöre nicht mehr mir an, ich bin ganz dein, Jesus."
Ekstasen, Nr. 32
„Suche nicht mehr nach Liebe, Jesus, denn ich habe keine mehr. Ich besitze nur ein Leben; hätte ich aber tausend Leben, dann würde ich alle dir geben. Erinnerst du dich nicht mehr des Vertrages, den wir miteinander geschlossen haben? Teurer Jesus, ich bin dir Liebesopfer."
Ekstasen, Nr. 32
„Sieh, mein Jesus, wenn du dich weniger liebenswert mir gezeigt hättest, wenn du mich nicht hättest erkennen lassen, dass du mich so liebst, dann hätte ich dich weniger geliebt. Nachdem du aber so vorgegangen bist, kann ich es ohne dich nicht mehr aushalten."
Briefe I,1 – An Mons. Volpi
„Ich wünschte, dass mein Herz nur für Jesus schlüge, lebte, seufzte; ich wollte, dass meine Zunge nur den Namen Jesus auszusprechen vermöchte, dass meine Augen nur auf Jesus blickten, dass meine Feder nur von Jesus zu schreiben wüsste. Ich finde niemand anders im Himmel und auf Erden als meinen geliebten Jesus."
Briefe IV,1 – An eine Freundin
„Wo lässt du mich? Warum sorgst du nicht schnell, dass ich sterbe – sterbe aus Liebe zu Jesus? Siehst du nicht, dass mein Herz und mein Leib sich noch verzehren und ich zu Asche werde? Siehst du nicht, dass ich ein Opfer der Liebe bin? Siehst du nicht, dass alles in der Welt mich langweilt und dass ich nichts verlange als Liebe, Liebe, Liebe?"
Briefe II,14 – An P. Germano
„Es lebe Jesus! Es lebe der verborgene Jesus! Was wäre aus mir geworden, wenn Jesus nicht daran gedacht hätte, mich aufzusuchen? Wie oft habe ich Jesus gesucht, ohne mich gänzlich von allem übrigen loszuschälen! Wie oft hätte ich gewünscht, ihn zu lieben, liebte aber niemals ihn allein! Doch von nun an soll es anders werden – von jetzt an heißt es: Jesus allein!"
Briefe II,65 – An P. Germano
„Vor wenigen Augenblicken habe ich Jesus empfangen. Welch großes, schönes Glück! Noch bewahre ich ihn in mir; ich bin ganz in ihm und er ist ganz in mir. Was werde ich auf dieser Erde noch lieben, jetzt da ich Jesus besitze? Welt, Geschöpfe – ich kann euch wirklich nicht mehr lieben! Ich komme mir wie ein Fremdling vor, da mein Gedanke sich nie von meinem Jesus entfernt."
Briefe II,66 – An P. Germano
„Jeden Morgen nach der heiligen Kommunion gibt Jesus mir seine Gegenwart immer deutlicher zu erkennen und fragt mich, ob ich ihn liebe. Ich muss offen gestehen: Jesus, sooft ich mich an dich gewendet habe, ist die innere Angst noch immer gewichen. Deine Größe, o Herr, ist ohne Grenzen, deine Güte ohne Fehl."
Briefe II,81 – An P. Germano
„Manchmal zündet in meinem Herzen ein Blitz; aber ich bin so schwach, dass ich es nicht aushalte, und ... dann fühle ich mich ganz mit Jesus vereint und möchte mich vor ihm vernichten. Aber ach, wie oft rufe ich an gewissen Tagen Jesus! Allein Jesus verbirgt sich und zieht sich vor mir zurück."
Briefe III,6 – An eine Passionistin
„Ich wende mich an mein Herz; mein Herz besitzt Jesus, und wenn ich Jesus besitze, fühle ich, dass ich selbst mitten in den Tränen zu lächeln vermag – ja, ich merke, dass ich sogar mitten in der Trostlosigkeit glücklich sein kann."
Briefe II,29 – An P. Germano
„Himmel, schöne Heimat, wo wir für das bisschen Liebe, das wir Jesus hier auf Erden geschenkt, unendliche Liebe von ihm empfangen! Mit welcher Inbrunst werden wir Jesus lieben! Ich werde dann nicht mehr so schwach, so töricht sein wie jetzt; ich werde vielmehr stark sein."
Briefe V,2 u. III,5 – An eine Klosterfrau
„Eilen wir gemeinsam zum Kreuz, ja zu neuen Kreuzen, umfangen wir sie und sprechen wir zugleich: Heiliges Kreuz, wenn wir an die unendliche Liebe denken, womit Jesus dich umarmte, fassen wir den festen Vorsatz, uns nie mehr von dir zu trennen."
Briefe III,3 – An eine Passionistin
„Wie schön ist doch die Fastenzeit, mit Jesus verlebt! Man betet zusammen, man leidet zusammen. Es lebe Jesus!"
Briefe II,32 – An P. Germano
„Verstehst du nicht? Ich will von Jesus sprechen. Von Jesus! – Sie lächelte, drückte mich an sich und sagte: Liebe ihn nur, liebe ihn sehr, liebe ihn ganz allein."
Tagebuch, 1. September 1900
„Ich sehe Jesus nicht mit den Augen des Körpers, aber ich erkenne ihn genau, weil er mich in eine süße Sinnesentrückung versetzt. Seine Stimme verwundet mich mehr als ein Schwert – so tief dringt sie bis in die Seele."
Tagebuch, Antworten an P. Germano
„Ich fühle mich wie von mir selbst entrückt. In einem Frieden, einer Ruhe, die ich sonst nie erfahre. Das Herz sucht nichts mehr, weil es ein unermessliches Gut bei sich hat, dem nichts zu vergleichen ist. Jesus ist es, der mich erfüllt."
Tagebuch, Antworten an P. Germano
„Wenn also Jesus in mir sein wird, überlegte ich, dann werde nicht ich mehr leben, sondern Jesus wird in mir leben. Zuweilen brachte ich ganze Nächte damit zu, diese Worte zu betrachten, verzehrt von Verlangen."
Autobiografie, Kap. 5
„Dir will ich folgen um den Preis jeden Leidens. Ich will leiden und nur leiden für dich. Immer Gebet auf den Lippen."
Autobiografie, Kap. 10
„Ich erklärte Jesus, ich wolle ihn von ganzem Herzen lieben, aber mein Herz sei klein, ich wisse mir nicht zu helfen. Ich meinte: Aber, mein Jesus, wenn ich leide, ist das ein Zeichen, dass ich dich liebe."
Briefe I,3 – An Mons. Volpi
„Mein Leben ist in deinen Händen, o Jesus. Ich habe dich so gern, Jesus, und gebe dir mein Leben hin. Weißt du, Jesus, wie ich sein möchte? Opfer der Liebe für dich."
Ekstasen, Nr. 32
„Auf dich allein setze ich meine Hoffnung"
Gemmas Vertrauen ist unerschütterlich – und doch nie selbstverständlich. In den dunkelsten Stunden der Gottverlassenheit, wenn Jesus sich verbirgt und der Dämon tobt, klammert sie sich an den Glauben wie an ein Seil über dem Abgrund. Gerade dort, wo sie nichts mehr spürt und nichts mehr sieht, spricht sie die kühnsten Worte des Vertrauens. Ihr Gottvertrauen wächst nicht trotz des Leidens, sondern mitten darin.
„Ich habe so großes Vertrauen auf dich, dass ich, sähe ich selbst die Pforten der Hölle vor mir offen und befände ich mich am Rande des Abgrundes, keineswegs verzweifelte. Ja, wenn ich sogar die Hölle und den Himmel gegen mich aufstehen sähe, würde ich an deiner Barmherzigkeit nicht verzweifeln; denn ich würde auf dich vertrauen."
Ekstasen, Nr. 27
„Meine Seele, lebe beruhigt; du wirst sehen, die Finsternis wird schwinden und das Licht wird kommen; sei zufrieden, hoffe auf Jesus, vertraue auf ihn allein."
Ekstasen, Nr. 27
„Welcher Friede, welche Ruhe, auch wenn du dich verbirgst! Magst du auch fern sein, Jesus, es genügt, wenn nur deine Liebe mir nicht fehlt. Entflamme mich; deine Liebe genügt mir."
Ekstasen, Nr. 24
„Ich rufe dich, o Jesus, ich wende mich jeden Augenblick an dich, nur mit dem Glauben. Für mich ist es süß, weißt du, Jesus, aus dem Glauben zu leben. Der Glaube genügt mir, Jesus, ich lebe gut mit dem Glauben."
Ekstasen, Nr. 24
„Du allein, Jesus, bist mein Trost, denn du allein vermagst den Stürmen zu gebieten, die sich von Zeit zu Zeit in meinem Herzen erheben; du allein kannst meiner Seele Kraft verleihen. Denn bist du auch allein, so vermagst du alles."
Ekstasen, Nr. 33
„Wie lange schon, o Jesus, verbirgst du mir deine Augen! Doch was liegt mir daran, dich zu sehen, wenn ich dich fühle; ich fühle dich so deutlich, Jesus; ich fühle auch, dass du mich liebst, dass du mich alle Augenblicke suchst."
Ekstasen, Nr. 19
„Welcher Friede, welche Ruhe, auch wenn du fern bist. Auch wenn du fern bist, lass nicht zu, dass irgendein Geschöpf mich zu verwirren komme."
Ekstasen, Nr. 24
„Sei gepriesen, Jesus, weil du den Geschöpfen gewissermaßen befohlen hast, mich zu verlassen, damit ich dir immer näher sei. Du allein tröstest, du allein verschaffst Trost. Was liegt mir daran, Jesus, dass ich in der Welt keinen Trost habe? Du allein genügst mir."
Ekstasen, Nr. 33
„O mein Gott, o Jesus ... du bist mein Gott; denn ich fühle mich stets zu dir hingezogen, nach dir zielt all mein Sehnen; zu dir zu kommen, hoffe ich. Wenn ich mit dir verkehre, fühle ich mich gleichsam verjüngt; wenn du mich aber verlässt, bin ich dem Wanken und Fallen nahe. Das sagt mir der Glaube, jener Glaube, den du in mein Herz hineingelegt hast."
Ekstasen, Nr. 33
„Nein, dich lasse ich nicht mehr, du meine Hoffnung, meine einzige Hoffnung! In der zärtlichsten Vereinigung mit dir will ich leben, mit dir will ich sterben. Möge dieser heilige Wunsch in mir erfüllt werden."
Ekstasen, Nr. 8
„Wenn ich wach bin, bin ich immer bei dir; wenn ich esse, geschieht es deinetwegen; wenn ich leide, leide ich mit dir. Immer wirst du, Jesus, mein Trost sein. Ich will vom Glauben, von der Hoffnung leben."
Ekstasen, Nr. 32
„Was du willst, Jesus. Ich habe mich ganz dir übergeben, betrachte mich als dein. Ich habe dich so sehr gesucht, Jesus, ich habe dich an so vielen Orten gesucht; ich fand dich aber nie. Du warst aber ganz allein. Auch ich will brav sein."
Ekstasen, Nr. 17
„Dann geschehe dein Wille! O teurer Gehorsam, du nimmst mir alle Süßigkeiten der Eigenliebe. Sei unbesorgt, Jesus, kein Mensch auf Erden wird mich von dir trennen können."
Ekstasen, Nr. 14
„Wer Jesus nicht mit Vertrauen behandelt, fügt seiner Güte, die er uns so oft und auf so verschiedene Art gezeigt hat, ein Unrecht zu. Mir scheint sogar: Wenn wir wirklich kindliches Vertrauen zu Jesus haben, tut man ihm eine süße Gewalt an und zwingt ihn so, Gnaden auf uns herabzugießen."
Briefe II,81 – An P. Germano
„Wie deutlich werde ich gewahr, dass, indem ich tue, was die Güte Jesu will, jedes Kreuz sich in Freude verwandelt, dass sogar das Leiden zur Wonne umgestaltet wird! Wer sich eng mit Jesus vereinigt, hat weder Kreuz noch Furcht."
Briefe II,24 – An P. Germano
„Ich habe mich ganz in die Hände Gottes übergeben, habe mich rückhaltlos seinem heiligen Willen anheimgestellt. Ich suche Jesus, aber nur damit er mir helfe, seinen Willen zu tun. Wenn Jesus ganz mein ist, wer wird mich je zu besiegen vermögen?"
Briefe II,22 – An P. Germano
„Es ist ganz gleich, ob Jesus mich freundlich behandelt oder ob er mich schlägt – ich bleibe ruhig. Ja, wenn er mich schlägt, bin ich noch viel mehr zufrieden, denn Schläge verdiene ich. Trotz dieses Widerstrebens umschlingt mein Herz alle von Jesus gesandten Leiden und findet darin jede Wonne."
Briefe II,9 – An P. Germano
„Gott allein kann mich zufriedenstellen; auf ihn habe ich auch alle meine Hoffnungen gesetzt. Jesus möge mich nicht wollen, er möge mich sogar zurückweisen – ich werde ihn doch immer suchen."
Briefe II,78 – An P. Germano
„Gibt es etwas Sichereres für uns, als volles Vertrauen auf Jesus zu haben und vor jenem Opfer der Liebe und des Schmerzes über meine Sünden zu verweilen, zu meiner Rettung und zur Rettung so vieler Seelen?"
Briefe II,32 – An P. Germano
„Teurer Jesus, willst du mich allein lassen? Weißt du denn nicht, dass niemand außer dir mich tröstet? Du versicherst mir so oft, du liebest mich; wenn du mir also wohlwillst, so entferne dich nicht. Oder wenn du weggehen willst, so nimm auch mich mit."
Briefe II,18 – An P. Germano
„Mein Jesus, gib mir es nur, aber verleihe mir auch die Kraft, denn meine Schultern sind zu schwach. Bewirke wenigstens, mein Jesus, dass ich nicht darunter falle."
Briefe I,3 – An Mons. Volpi
„Fliegen wir mit dem Gedanken in den Himmel! Dort oben werden wir mit Jesus, mit den Engeln uns unterhalten – dann werden Sie sehen, wie gut man leidet. Für mich ist der Himmel der einzige Trost, den ich verkoste, wenn ich etwas leide."
Briefe III,4 – An eine Passionistin
„Alle diese unbedeutenden Dinge werden ein Ende nehmen in jenem Augenblick, da unsere Seele die Flügel ausbreitet, in den lieberfüllten Schoß Jesu fliegt, um sich nie mehr daraus zu entfernen."
Briefe III,3 – An eine Passionistin
„Ich trage nur Jesus um den Hals. – Er schlug, was er konnte. Ich sah ihn wütend auf der Erde sich wälzen und lachte. Heute schien ich weniger Furcht zu haben."
Tagebuch, 22.–23. Juli 1900
„Dieses Leiden ist ein Beglücktwerden. Jesus ließ mich mehrere Stunden leiden. Er machte mich leiden – aber was sage ich leiden: Er beglückte mich."
Tagebuch, 30. August 1900
„In der Christnacht legte ich Jesus das erste Gelübde ab. Er nahm es gnädig an. Ich tat es mit solcher Freude, dass ich die Nacht wie im Paradies verbrachte."
Autobiografie, Kap. 11
„Ich bat den Papa um Erlaubnis, einige Tage im Kloster wohnen zu dürfen. Doch ich kannte die Kunst, ihn umzustimmen: Jedes Mal, wenn er mich weinen sah, tat er alles, was ich wollte. Fünfzehn Tage verbrachte ich dort. Welches Paradies!"
Autobiografie, Kap. 5
„Am Todestag des Vaters verbot mir Jesus, mich in unnützes Weinen zu verlieren. So brachte ich den Tag im Gebet zu, ganz ergeben in den Willen Gottes, der nun die Stelle des himmlischen und des irdischen Vaters übernahm."
Autobiografie, Kap. 11
„Ich sagte zu Jesus, er solle über mich verfügen, wie er wolle."
Briefe I,7 – An Mons. Volpi
„O Jesus, ich fürchte, der Teufel könnte mich betrügen. Ich will diese Visionen nicht, ich wünsche bloß, dass du mir alle Sünden verzeihst. Lass nicht zu, dass mich der böse Feind hintergehe."
Ekstasen, Nr. 15
„Ich finde keine Ruhe, wenn ich nicht hineile zu deiner Barmherzigkeit"
Gemma kennt sich selbst als Sünderin – mit einer Schärfe, die erschrecken könnte, wäre sie nicht zugleich von einem grenzenlosen Vertrauen auf Gottes Erbarmen getragen. Die Barmherzigkeit Gottes ist für sie kein abstraktes Dogma, sondern die persönliche Erfahrung einer Liebe, die nicht aufrechnet. Und sie bittet nicht nur für sich: Mit leidenschaftlicher Kühnheit tritt sie für die Sünder ein, bietet sich als Sühneopfer an und fordert Jesus heraus, seinem barmherzigen Herzen treu zu bleiben.
„O Gott, da bin ich in deinen Händen. Je größer mein Elend ist, desto deutlicher tritt deine Freigebigkeit hervor. Meine so elende Seele hat den Reichtum deiner Liebe erfasst. Ich stelle es nicht in Abrede, ich bin eine Sünderin, aber deshalb will ich nicht verzweifeln; denn durch mein Verzweifeln würde ich nur leugnen, dass du barmherzig bist."
Ekstasen, Nr. 9
„Deine Barmherzigkeit, o Herr, ist der feste Grund all meiner Hoffnungen."
Ekstasen, Nr. 7
„O Gott, mein Gott, werde nicht unwillig, wenn ich am Morgen so zu dir komme, wie ich bin. Du siehst es, meine Seele ist voll Sünden. Wie kannst nun du, Lilie der Reinheit, Urquell der Schönheit, mitten darin leben? Du weidest unter Lilien; solche Blumen finden sich aber nicht in meinem Herzen. Was findest du darin? Dornen."
Ekstasen, Nr. 5
„Welch ein Schrecken, welch ein Entsetzen an jenem Abend! Wie schön ist eine Seele in deiner Gnade! Wie hässlich hingegen ohne deine Gnade! Lass alle dies sehen, Jesus; dann würde niemand mehr sündigen. Ja, Jesus, hier vor dir erneuere ich meine Versprechen: Sollte ich in Sünde fallen, so lass mich eher sterben."
Ekstasen, Nr. 1
„O wie schön ist dein Herz! O Jesus, ich wünschte, dass meine Stimme bis an die Enden der Welt reichte ... dann wollte ich alle Sünder zusammenrufen und ihnen sagen, sie sollen doch eintreten in dein Herz. Kommt, Sünder, ohne Furcht, denn das Schwert der Gerechtigkeit erreicht euch da drinnen nicht."
Ekstasen, Nr. 15
„Er hat es dir schlimm gemacht, aber noch ärger habe ich es getrieben. Rette ihn, rette ihn! Für eine einzige Seele hast du so viel getan und jene dort willst du nicht retten? Ich werde nicht aufstehen von hier. Bedenke, Jesus, es ist eine Seele, die dich so teuer zu stehen kam! Sie wird brav werden, du wirst sehen."
Ekstasen, Nr. 1
„Aber denke mir an die Sünder, ich will sie alle ... alle gerettet wissen ... Ich muss nur an die Sünder denken, an das Übrige hast du zu denken. O Jesus, verlasse die Sünder nicht. Die Elendsten sind am besten aufgenommen!"
Ekstasen, Nr. 1
„Ich will ganz Sühneopfer sein für die Sünder, als ein solches Sühneopfer will ich leben und sterben. Sünder hast du viele, Sühneopfer gar wenige. Du bist am Kreuz gestorben, lass auch mich sterben. Alle sind sie deine Kinder; wenn sie aber deine Kinder sind, dann verlasse sie nicht."
Ekstasen, Nr. 15
„Warte, warte noch etwas zu, bevor du sie strafst. Wende dich gegen mich in deiner ganzen Strenge. Welche Art von Leiden du mir senden magst, ich weise keine zurück. Sie beleidigen dich? Räche dich dafür an mir. Du bist auch für sie am Kreuz gestorben; warte auf sie, o Jesus! Sie könnten sich bekehren."
Ekstasen, Nr. 15
„Jesus, dir empfehle ich meinen größten Feind, meinen heftigsten Gegner. Führe ihn, geleite ihn; wenn deine Hand auf ihm lasten sollte, lass sie auf mir lasten; Jesus, gib ihm recht viel Gutes. Doppelt so viel, verstehst du, Jesus, als er mir Böses zufügen wollte."
Ekstasen, Nr. 21
„Ich weiß es, Jesus, ich weiß es, dass er dir Tränen verursacht; aber weißt du, Jesus, in diesem Augenblick darfst du nicht an seine Sünden denken, du sollst an das Blut denken, das du vergossen hast. Alle jene Zärtlichkeiten der Liebe, die du mir zugewendet hast, lass sie auch meinem Sünder zukommen."
Ekstasen, Nr. 1
„Wie willst du, Jesus? Soll ich es dir nochmals aufopfern als Schlachtopfer für meine Sünden und für jene der Sünder? Mache rasch, mein Leben ist in deinen Händen ... es ist dein ... es gehört dir. Hätte ich hundert Leben, dann gäbe ich dir alle ... ich habe aber nur eines!"
Ekstasen, Nr. 1
„O Jesus, du sagst, du habest meine Sünden gerne vergessen, um meiner Seele die Liebe zu bezeugen, die du zu mir trägst. Es lebe Jesus! O süße Ketten Jesu! Wer mit diesen Fesseln gebunden ist, für den gibt es kein Entrinnen mehr."
Ekstasen, Nr. 22
„Es ist etwas Schönes, o Jesus, einen zu lieben, der seinem Beleidiger nicht zürnt. Oft schon habe ich gesehen, dass wenn deine Gerechtigkeit mich strafen sollte, du selber bemüht bist, diese Strafe zu hindern, ja zurückzuhalten."
Ekstasen, Nr. 27
„Jesus, ich nehme alle Leiden, alle Trübsale an, die du mir schicken wirst. Es wäre noch große Barmherzigkeit deinerseits, Jesus, wenn du Leiden in Masse über mich kommen ließest. Ja, Jesus, wenn du noch weitere mir senden willst, werde ich immer deine Hand küssen."
Ekstasen, Nr. 8
„Erbarmungsvoller Jesus! Er schämt sich nicht, diesen elenden Leib heimzusuchen! Je mehr ich an meine Unwürdigkeit denke, desto verwirrter werde ich; ich finde keine Ruhe, wenn ich nicht hineile zu deiner unendlichen Barmherzigkeit!"
Briefe II,64 – An P. Germano
„Es lebe die unendliche Erbarmung Jesu gegen mich! Wie oft habe ich Jesus gesucht, ohne mich gänzlich von allem übrigen loszuschälen! Wie oft hätte ich gewünscht, ihn zu lieben, liebte aber niemals ihn allein!"
Briefe II,65 – An P. Germano
„Vor wenigen Augenblicken merkte ich plötzlich, wie ich von einem heftigen Schmerz über meine Sünden ergriffen wurde – ich meinte, ich müsse daran sterben. Und ich schaute meine Seele als ein großes Gebirge – und Jesus, der sich dagegenlehnte, damit es nicht zerfalle. Wenn Jesus es nicht aufrichtete, würde es einstürzen."
Briefe II,14 – An P. Germano
„Ich habe auch geweint, weil ich so lebendige Reue empfand; jetzt aber, während ich das schreibe, weine ich auch aus Liebe, weil mein Jesus in seiner unendlichen Barmherzigkeit mir Verzeihung gewährt."
Briefe II,69 – An P. Germano
„Ich bin ohne Jesus; aber selbst wenn er nicht mit mir spricht, wie viel sagt er mir! O Liebe meines Jesus, von mir verraten! Welche Beschämung! Alle meine Sünden stehen mir vor der Seele. Großer Gott, Barmherzigkeit!"
Briefe III,5 – An eine Passionistin
„Es ist buchstäblich wahr, dass sich auf dieser Erde kein wahres Glück findet. Wenn ich durch Gottes Erbarmen glückliche Augenblicke genieße, so ist dies der Fall, wenn ich mich verachtet und gedemütigt sehe. Wie gut er ist! Wenn Sie wüssten, welche Mittel er anwendet, um meinen Hochmut zu beschämen!"
Briefe II,3 – An P. Germano
„Mir scheint, Jesus liebe mich so sehr, ich aber bin so schlimm. Doch mit seiner Hilfe will ich brav sein. Ich habe nur eine gute Eigenschaft: Es ist der gute Wille."
Briefe II,16 u. 71 – An P. Germano
„Mein Jesus, tue immerhin, was dir gut scheint – ich bin zufrieden."
Briefe I,12 – An Mons. Volpi
„Als ich es nicht mehr auszuhalten vermochte, eilte ich zum Kruzifix, warf mich davor auf die Erde nieder und bat so wiederholt um Vergebung; ja, ich flehte darum, er möge mich zu seinen Füßen sterben lassen. Bald darauf kehrte bei mir die Ruhe zurück."
Briefe II,69 – An P. Germano
„Jesus möge nur zuschlagen – millionenmal will ich die Hand segnen, die mir eine so wohlverdiente Züchtigung zukommen lässt."
Briefe II,32 – An P. Germano
„Es befiel mich der gewohnte Schrecken: die Zahl und Größe meiner Sünden tat sich vor mir auf. Der Schutzengel flüsterte mir ins Ohr: Aber die Barmherzigkeit eines Gottes ist unendlich."
Tagebuch, 16. August 1900
„Ich liebe dich, weil du mir ähnlich bist, sagte er. Worin, Jesus?, fragte ich, da ich mich dir doch so unähnlich fühle. Im Demütigsein, antwortete er. Da verstand ich alles. Mein größter Fehler war immer der Stolz gewesen."
Tagebuch, 20. Juli 1900
„Zuerst die Seele, dann der Körper! – Von da an fühlte ich Gabriels Gegenwart."
Autobiografie, Kap. 13
„Ich sah die Hölle vor mir geöffnet. Der Gedanke an jene Monate in der Sünde ließ mich erzittern. Ich legte eine Generalbeichte ab – nicht weil es mir schlecht ging, sondern um den Frieden des Gewissens wiederzufinden."
Autobiografie, Kap. 12
„Dieser Priester wird dein Seelenführer sein, derjenige, der in dir das unendliche Werk meiner Barmherzigkeit erkennen wird. – Jetzt höre ich auf zu schreiben, weil Sie mich von dieser Zeit an gekannt haben und alles wissen."
Autobiografie, Kap. 23
Gemma Galgani
12. März 1878 – 11. April 1903
„Die Tochter der Passion"
Heiliggesprochen am 2. Mai 1940 durch Papst Pius XII.
Quellen: Autobiografie · Briefe · Ekstasen · Tagebuch