Seit dem Mittelalter ziehen Pilger auf der Via Francigena von Canterbury nach Rom. Der Weg führt durch die Toskana – durch Pontremoli und die Lunigiana, über die Küste der Versilia, durch Massa und Pietrasanta, über die Hügel nach Camaiore und schließlich in die Stadtmauern Luccas hinein.
Der Weg und seine Geschichte
Die Via Francigena ist einer der drei großen christlichen Pilgerwege des Mittelalters, neben dem Jakobsweg und dem Weg nach Jerusalem. Sie verbindet Canterbury mit Rom auf einer Strecke von rund 1.800 Kilometern. Bischof Sigerich von Canterbury dokumentierte sie im Jahr 990 auf seinem Rückweg von Rom – sein Tagebuch ist bis heute in der British Library in London erhalten. Im toskanischen Abschnitt verläuft die Via Francigena von Norden nach Süden durch die Küstenzone der Versilia – an Carrara, Massa und Pietrasanta vorbei – und biegt dann ins Landesinnere ab: über Camaiore, durch die Hügel um Montemagno und Valpromaro, hinunter ins Tal des Serchio und in die Stadt Lucca, die seit Jahrhunderten ein Ziel der Francigena-Pilger ist. Der Weg ist offiziell ausgeschildert, mit weißroten Markierungen und dem gelben Pilgerzeichen.
Die drei Etappen
Etappe 1: Massa – Pietrasanta (ca. 28 km, 8 Stunden)
Der erste Tag führt südwärts durch die Versilia. Der Weg steigt zunächst zur Burg Aghinolfi hinauf – ein Umweg, der sich lohnt: Von hier aus überblickt man das tyrrhenische Meer und die Apuanischen Alpen zugleich, aus deren weißem Marmor die Kirchen Luccas gebaut sind, darunter Gemmas Sanktuarium. Nach dem Abstieg erreicht man Pietrasanta, die «Kleinstadt des heiligen Steins», bekannt als Zentrum der Bildhauerkunst und des Marmorhandwerks. Der Duomo von Pietrasanta ist eine Station der Via Francigena Übernachtung in Pietrasanta.
Etappe 2: Pietrasanta – Camaiore (ca. 15 km, 4 Stunden)
Der zweite Tag verliert die Küste aus dem Blick und wendet sich ins Inland. Der Weg führt durch das Tal des Flusses Camaiore nach Camaiore selbst – einem ruhigen Ort im Schatten der Apuanischen Alpen, dessen Seele die alte Abtei di San Pietro ist, eine der bedeutendsten Benediktinerabteien der Versilia. Camaiore verdient eine besondere Aufmerksamkeit des Gemma-Pilgers: Hier lebte Gemma zeitweise als Gast wohlhabender Verwandter. Übernachtung in Camaiore. Der Abend in der Badia di San Pietro, wo Gemma gebetet hat, ist ein stiller, würdiger Abschluss dieses Tages.
Etappe 3: Camaiore – Lucca (ca. 22 km, 6 Stunden)
Der dritte und letzte Tag ist der schönste. Der Weg steigt hinauf nach Montemagno, führt durch den Wald von Valpromaro und Piazzano, dann hinunter durch das Tal des Contesola-Flusses. Nach der Überquerung des Serchio bei Ponte San Pietro betritt man Lucca durch das alte Stadttor Porta San Donato – so wie Pilger es seit dem Mittelalter getan haben. In Lucca sind es dann noch wenige Schritte bis zum Ziel.
Die Orte Gemmas in Lucca
Lucca ist eine Stadt, die man zu Fuß erkundet. Alle Gedächtnisorte Gemmas liegen innerhalb der Stadtmauern oder unmittelbar dahinter und sind bequem zu Fuß erreichbar.
Chiesa di San Michele in Foro
Piazza San Michele. Hier wurde Gemma am 26. Mai 1885 gefirmt. Die romanische Fassade zählt zu den schönsten der Toskana. Geöffnet täglich 9–18 Uhr.
Casa Galgani – Haus der Stigmata
Via Santa Gemma Galgani 23. Hier empfing Gemma am 8. Juni 1899 zum ersten Mal die Stigmata. Die Besichtigung ist möglich über das Sanktuarium (+39 0583 48815).
Casa Giannini – Gemmas letztes Zuhause
Via del Seminario 10. Hier lebte Gemma von September 1899 bis zu ihrem Tod im April 1903. Die Familie Giannini nahm sie als zwölftes Kind auf. Schwestern führen durch das Haus. Geöffnet täglich 9–12 und 15–18:30 Uhr.
Chiesa di Santa Maria della Rosa
Via della Rosa. Gegenüber dem Haus, in dem Gemma starb. Ihre tägliche Andachtskirche in den letzten Lebensjahren – hier empfing sie täglich die Kommunion. Ein kleines, stilles Juwel gotischer Architektur. Geöffnet täglich 9–12 und 15–18 Uhr.
Sanktuarium Santa Gemma – Ziel der Pilgerreise
Via di Tiglio 271. Unter dem Hauptaltar ruht Gemma Galgani. Neben ihr: P. Germano Ruoppolo und Bischof Volpi. Im Klosterladen sind Bücher, Heiligenbildchen und der Pilgerstempel erhältlich. Geöffnet täglich 6:30–12 und 15–18 Uhr.
Praktische Hinweise
Beste Zeit zum Pilgern: Frühling und Herbst. Festtage Gemmas in Lucca: 12. März (Ihr Geburtstag), 11. April (Ihr Todestag), 16. Mai (Ihr Festtag).
Gesamtstrecke: ca. 65 km zu Fuß über drei Tage
Schwierigkeit: Mittel. Die zweite Etappe ist hügelig, gute Wanderschuhe sind Pflicht.
Pilgerausweis: Dieser ist im Online-Pilgershop vorab bestellbar.
Unterkunft: Pilgerherbergen (Ostelli) entlang der Strecke; in Lucca auch Klosterunterkünfte möglich.
Sanktuarium Lucca: Tel. +39 0583 48815, www.santuariosantagemma.it
Eine längere Alternative - die Via Matildica del Volto Santo
Wenn Sie mehr Zeit haben sollten, empfiehlt sich die "Via Matildica del Volto Santo": Diese Verbindet Mantua mit Lucca (284 km) über den Apennin. Der letzte Abschnitt, die Via del Volto Santo, führt von San Pellegrino in Alpe über 3 Etappen nach Lucca. Siehe: www.viamatildica.it
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