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Ein Gebet des heiligen Padre Pio nach der heiligen Kommunion

Ein Gebet des heiligen

Padre Pio

nach der heiligen Kommunion

„Bleib bei mir, Herr"

Einleitung

Der heilige Padre Pio von Pietrelcina (1887–1968) und die heilige Gemma Galgani (1878–1903) sind sich nie begegnet. Gemma starb, als Francesco Forgione — der spätere Padre Pio — erst fünfzehn Jahre alt war, ein Bauernjunge in Süditalien, der noch nicht einmal ins Kloster eingetreten war. Und doch verbindet die beiden mehr, als ein flüchtiger Blick vermuten lässt.

Beide trugen die Stigmata — die Wundmale Christi — an ihrem Leib. Gemma empfing sie am 8. Juni 1899 und trug sie in einem wöchentlichen Rhythmus bis zu ihrem Tod. Padre Pio empfing sie am 20. September 1918 und trug sie fünfzig Jahre lang, bis sie kurz vor seinem Tod verschwanden. Beide erlebten Engelserscheinungen, Ekstasen, Teufelskämpfe. Beide wurden zu Lebzeiten von Ärzten untersucht, für hysterisch erklärt, von der kirchlichen Obrigkeit mit Misstrauen behandelt — und nach ihrem Tod heiliggesprochen.

Aber die tiefste Gemeinsamkeit liegt nicht in den äußeren Phänomenen, sondern in der Eucharistie. Für Gemma war die tägliche Kommunion die Mitte ihres Lebens — sie schrieb, sie halte es nicht mehr aus, wenn sie nicht jeden Morgen zu Jesus gehen könne. In ihrem Tagebuch berichtet sie, wie Jesus sich ihr in der Kommunion „ganz stark fühlbar mitteilte" und wie sie in den Stunden danach in eine Vereinigung eintrat, die sie als die größte Glückseligkeit ihres Lebens beschrieb. Padre Pio feierte die heilige Messe oft stundenlang und verharrte danach in langer, stiller Danksagung. Beide wussten: In der Kommunion ist Jesus nicht ein Gedanke und nicht eine Erinnerung. Er ist wirklich da.

Das folgende Gebet betete Padre Pio nach jeder heiligen Kommunion. Es ist ein einziger, langer, flehender Ruf: „Bleib bei mir, Herr." Wer Gemmas Autobiografie und Tagebuch gelesen hat, wird in jeder Zeile ihre Stimme mithören — denn was Padre Pio hier in Worte fasst, ist genau das, was Gemma erlebte: die Angst, Jesus wieder zu verlieren, kaum dass man ihn empfangen hat. Die Schwäche, die Dunkelheit, die Versuchungen — und mitten darin die eine Bitte, die alles zusammenfasst: Bleib.

Gebet nach der heiligen Kommunion

Hl. Padre Pio von Pietrelcina

Bleib bei mir, Herr, denn ich brauche Deine Gegenwart, um Dich nicht zu vergessen. Du weißt, wie leicht ich Dich verlasse.

Bleib bei mir, Herr, denn ich bin schwach, und ich brauche Deine Kraft, um nicht so oft zu fallen.

Bleib bei mir, Herr, denn Du bist mein Leben, und ohne Dich erlischt mein Eifer.

Bleib bei mir, Herr, denn Du bist mein Licht, und ohne Dich bin ich in der Finsternis.

Bleib bei mir, Herr, um mir Deinen Willen zu zeigen.

Bleib bei mir, Herr, damit ich Deine Stimme höre und Dir folge.

Bleib bei mir, Herr, denn ich wünsche, Dich sehr zu lieben und immer in Deiner Gesellschaft zu sein.

Bleib bei mir, Herr, wenn Du willst, dass ich Dir treu bin.

Bleib bei mir, Jesus, denn so arm meine Seele auch ist — sie möchte für Dich ein Ort des Trostes sein, ein Nest der Liebe.

Bleib bei mir, Jesus, denn es wird spät und der Tag neigt sich — das heißt: das Leben vergeht, der Tod naht, das Gericht, die Ewigkeit — und ich muss meine Kräfte verdoppeln, damit ich auf dem Weg nicht erliege. Dazu brauche ich Dich.

Es wird spät, und der Tod kommt. Mich ängstigen die Finsternisse, die Versuchungen, die Dürre, die Kreuze, die Schmerzen — und ach, wie sehr brauche ich Dich, mein Jesus, in dieser Nacht der Verbannung!

Bleib bei mir, Jesus, denn in dieser Nacht des Lebens und der Gefahren brauche ich Dich. Lass mich Dich erkennen, wie Deine Jünger Dich erkannten beim Brechen des Brotes — damit die eucharistische Vereinigung das Licht sei, das die Finsternisse zerstreut, die Kraft, die mich trägt, und die einzige Seligkeit meines Herzens.

Bleib bei mir, Herr, denn wenn der Tod kommt, will ich mit Dir vereint sein — wenn nicht wirklich durch die heilige Kommunion, so doch wenigstens durch die Gnade und durch die Liebe.

Bleib bei mir, Jesus. Ich suche nicht den göttlichen Trost, denn ich verdiene ihn nicht — aber das Geschenk Deiner heiligsten Gegenwart, ja, darum bitte ich Dich!

Bleib bei mir, Herr. Dich allein suche ich: Deine Liebe, Deine Gnade, Deinen Willen, Dein Herz, Deinen Geist — denn ich liebe Dich, und ich erbitte keine andere Belohnung als Vermehrung der Liebe.

Feste, wirkliche Liebe. Dich lieben mit ganzem Herzen auf Erden, um Dich in vollkommener Liebe zu lieben in alle Ewigkeit.

Amen.