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Chiappino und Grappin - Die Kämpfe der heiligen Gemma Galgani und des heiligen Pfarrers von Ars

In der Kirchengeschichte gibt es wenige Parallelen, die so schlagend sind wie die zwischen der heiligen Gemma Galgani und dem heiligen Pfarrer von Ars. Beide erlitten über Jahre hinweg die heftigsten Angriffe des Teufels — körperlich, seelisch, geistig. Beide gaben dem Bösen einen Spitznamen. Beide bewahrten inmitten des Schreckens einen Humor, der den Teufel mehr erbitterte als jeder Exorzismus. Und beide lehrten durch ihr Leben dieselbe Wahrheit: Der Teufel ist real, aber er ist besiegt; er ist furchtbar, aber er ist lächerlich; er kann quälen, aber er kann nicht zerstören, was Gott in einer Seele aufgebaut hat.

Gemma nannte ihn „Chiappino" — toskanisch für Einbrecher, Langfinger, Gauner. Der Pfarrer von Ars nannte ihn „Grappin" — französisch für die dreizackige Mistgabel, das Werkzeug, mit dem man in der Volksvorstellung den Teufel darstellte. Zwei Spitznamen, die alles sagen: Der Fürst der Finsternis ist kein Fürst — er ist ein armseliger Dieb und ein plumper Grobian.

 

Zwei Leben, ein Feind

Der heilige Johannes Maria Vianney (1786–1859) war ein einfacher Dorfpfarrer in Ars-sur-Formans bei Lyon — ein Mann, der das Theologiestudium kaum bestand, den man in das kleinste und verkommenste Dorf der Diözese schickte und von dem niemand etwas erwartete. Gemma Galgani (1878–1903) war ein junges Mädchen aus Lucca — eine Waise, arm, krank, die nie Ordensfrau werden durfte und in einem fremden Haushalt lebte. Äußerlich hatten sie nichts gemeinsam: Er war Priester, sie Laiin; er alt, sie jung; er in Frankreich, sie in Italien; zwischen ihren Lebenszeiten lagen fast fünfzig Jahre. Und doch verband sie alles, was zählt: ein brennender Eifer für die Rettung der Seelen, eine tiefe Liebe zum Kreuz, eine radikale Armut des Lebens — und ein Feind, der sie beide mit einer Wut verfolgte, die nur dadurch zu erklären ist, dass er in ihnen eine tödliche Bedrohung für sein Reich erkannte. Der Pfarrer von Ars riss durch seine Predigten und sein sechzehnstündiges Beichthören die Seelen aus den Klauen der Sünde. Gemma tat dasselbe durch ihr stellvertretendes Leiden: Sie bot sich Gott als Sühneopfer für die Sünder an und litt buchstäblich an ihrer Stelle. Beide waren Seelenfischer — und der Teufel hasst nichts so sehr wie einen guten Fischer.

 

Nächtlicher Lärm — Das Hämmern an den Türen

Die Angriffe des Teufels folgten in beiden Fällen einem erstaunlich ähnlichen Muster. Sie begannen nachts — in der Stille, in der Einsamkeit, wenn die Seele am verwundbarsten ist.

Beim Pfarrer von Ars begann es 1824 und dauerte vierunddreißig Jahre, fast bis zu seinem Tod. Katharina Lassagne, seine Haushälterin, berichtet: „Jeden Abend, wenn er einschlief, begann der ganze Teufelsspuk von neuem. Es hämmerte gegen die Türe, gellende Schreie ertönten, Stühle und der Schrank bewegten sich, und das ganze Haus bebte. Eine eiskalte Hand fuhr ihm über das Gesicht." Vianney hörte die entsetzliche Stimme: „Vianney! Vianney! Du Kartoffelfresser! Ah, du bist noch nicht tot! Ich werde dich schon kriegen!" Manchmal wurde seine Matratze mitsamt ihm über den Boden gezogen. Manchmal packte ihn etwas an den Knöcheln und riss ihn aus dem Bett. Manchmal ließ der Teufel den Lärm einer ganzen Armee ertönen, die in einer fremden Sprache mit hässlichen Kehllauten vor seinem Fenster sprach. Manchmal hörte er, wie seine Bettvorhänge zerrissen wurden — aber am Morgen war nichts beschädigt. Bei Gemma war es ähnlich. Cäcilia Giannini berichtet, dass die Teufel schon in Gemmas eigenem Zuhause auf sie warteten: „Sie warteten in der Gestalt von Hunden, Katzen, Männern, schwarzen Affen wie man sie in einer Menagerie sieht, in ihrem Zimmer auf sie." Manchmal, wenn Gemma nach Hause kam, trafen sie zwei fremde Männer, die sie herumschleuderien und mit Seilen schlugen. Gemma sagte zu ihnen: „Ich sollte mich geißeln. Ihr könnt es für mich tun." Auch bei Gemma griff der Teufel zum Lärm: Pater Germano berichtet von Nächten voller Getöse, das die ganze Familie weckte.

 

Verkleidung und Täuschung — Der Teufel als Priester

In beiden Fällen bediente sich der Teufel der Verkleidung — und mit einer besonderen Vorliebe für die Gestalt von Priestern und vertrauten Personen. Bei Gemma nahm der Teufel einmal die Gestalt eines Beichtvaters an. Gemma ging in den Beichtstuhl und begann zu beichten, doch die Worte des vermeintlichen Priesters waren schmutzig und skandalös. Gemma erschrak und floh aus dem Beichtstuhl. Ein andermal erschien ihr der Teufel in der Gestalt von Monsignore Volpi, ihrem Beichtvater — in voller bischöflicher Kleidung. Als Gemma sich vor einem Bild der Schmerzensmutter niederwarf, nahm die Erscheinung einen Knotenstock und schlug sie so erbarmungslos, dass sie Blut spuckte. Ein drittes Mal nahm der Teufel die Gestalt ihres Seelenführers Pater Germano an, um sie von seinem Einfluss zu trennen — er stellte ihn als einen unwissenden, fanatischen, verblendeten Mann dar. Beim Pfarrer von Ars versuchte der Teufel eine andere Art der Täuschung: Er schickte anonyme Postkarten in Vianneys Namen, um Zwietracht zwischen dem Pfarrer und seinen Mitarbeitern zu säen. Die Methode ist in beiden Fällen dieselbe: Trennung. Der Teufel — das Wort „diabolos" bedeutet ja wörtlich „der Entzweier" — will die Verbindung zwischen der Seele und ihren geistlichen Führern zerstören. Gelingt ihm das, ist die Seele schutzlos.

 

Körperliche Gewalt — Schläge, Bisse, Blut

Bei beiden Heiligen blieb es nicht bei Lärm und Täuschung. Der Teufel griff zu körperlicher Gewalt — mit einer Brutalität, die jeden modernen Leser erschreckt. Dem Pfarrer von Ars fuhr eine eiskalte Hand über das Gesicht, um ihn zu ersticken. Er spürte Ratten, die über seinen Körper liefen, Bienen, die in seinen Mund, seine Nase und seine Ohren drangen. Seine Matratze wurde mitsamt ihm durchs Zimmer gezogen. Ein Gemälde der Verkündigung wurde Nacht für Nacht mit Unrat bedeckt. Einmal wurde sein Bett in Brand gesteckt — „es brannte lichterloh", wie er selbst berichtete. Die Nachbarn sahen die Flammen und kamen mit Eimern Wasser. Bei Gemma waren die Angriffe noch persönlicher und durchdringender. Der Teufel schlug sie mit Fäusten und Stöcken, so dass sie blaue Flecken und Blutergüsse davontrug. Schwester Agnes, die Oberin der Mantellaten, sah Gemma, wie sie ihren linken Ellbogen mit der rechten Hand hielt und vor Schmerz kaum sprechen konnte: „Was ist passiert?" — „Chiappino hat mir hier einen Schlag auf den Arm gegeben." Während einer besonders schweren Periode — etwa einen Monat lang — wurde Gemma regelrecht zu Boden geworfen, spuckte auf das Kruzifix, zerbrach einen Rosenkranz. Der Augenzeuge Monsignore Moreschini, der spätere Erzbischof von Camerino, bezeuge dies unter Eid. Die Ähnlichkeit ist frappierend: In beiden Fällen richteten sich die Angriffe nicht nur gegen den Leib, sondern gegen das Heiligste — gegen die Gebetsgegenstände, die Sakramentalien, die Bilder. Der Teufel kann die Gegenwart des Heiligen nicht ertragen und versucht, es zu entweihen.

 

Verzweiflung — Die gefährlichste Waffe

Die physischen Angriffe waren schlimm, aber nicht das Schlimmste. Die gefährlichste Waffe des Teufels war in beiden Fällen dieselbe: die Versuchung zur Verzweiflung. Der Pfarrer von Ars litt sein ganzes Leben unter dem quälenden Gedanken, er sei unwürdig, Priester zu sein, und werde ewig verloren gehen. Mehrmals versuchte er aus Ars zu fliehen, um in ein Trappistenkloster einzutreten — nicht aus Frömmigkeit, sondern aus Angst, „das Elend seiner Existenz" beweinen zu müssen. Die Gemeinde holte ihn jedes Mal zurück. Die Versuchung zur Verzweiflung begleitete ihn vierunddreißig Jahre lang — dieselbe Dauer wie die nächtlichen Angriffe. Es war ein und derselbe Kampf. Bei Gemma nahm der Teufel denselben Ansatz: „Siehst du nicht, dass Jesus dich nicht mehr hört und nichts mehr mit dir zu tun haben will?" Oder: „Du bist mit Sünden beladen, und alle Jahre deines Lebens würden nicht genügen, sie zu beweinen, und dennoch verlierst du Zeit mit den Sünden anderer?" Oder, noch tückischer, bei der Kommunion: „Geh nicht zur Kommunion, du wirst ein Sakrileg begehen! Letzte Nacht hast du Schlechtes getan!" Einmal — ein einziges Mal — hörte Gemma auf den Teufel und empfing die Kommunion nicht. Als sie die Kirche verließ, sah sie den Teufel am Eingang stehen, zufrieden und triumphierend. In diesem Moment verstand sie den Betrug, kehrte sofort um und empfing die Kommunion — „um ihn zu ärgern", wie sie sagte.

 

Das Feuer — Teufel und Flammen

Auch das Element des Feuers verbindet beide Geschichten. Dem Pfarrer von Ars setzte der Teufel das Bett in Brand — die Flammen waren real, die Nachbarn kamen, um zu löschen. Bei Gemma stahl der Teufel das Manuskript ihrer Autobiografie, das Tante Cäcilia unter Verschluss aufbewahrte. Als es durch Exorzismen zurückgebracht wurde, waren alle Seiten rauchgeschwärzt und angesengt, als wären sie durch ein Feuer gegangen. Die Schrift war noch lesbar, aber der Zorn des Bösen hatte seine Spuren hinterlassen. Dieses Manuskript — so wie es aus den Händen des Teufels kam — wird bis heute bei den Passionisten aufbewahrt.

 

Humor — Die stärkste Waffe der Heiligen

Und dann ist da der Humor — jene erstaunliche Heiterkeit, mit der beide Heilige dem Teufel begegneten und die vielleicht das Bemerkenswerteste an ihren Teufelskämpfen ist. Der Pfarrer von Ars sagte nach einer durchlittenen Nacht zu seinen Gemeindemitgliedern: „Der Grappin und ich — wir sind fast Kumpel." (Oh! le grappin et moi? Nous sommes presque camarades.) Wenn er bleich und übernächtigt am Morgen in der Kirche erschien und die Frauen fragten, ob er krank sei, antwortete er trocken: „Der Grappin hat mich so geplagt, dass ich die ganze Nacht kein Auge zugetan habe." Und wenn er nächtlichen Lärm hörte, der auf die baldige Ankunft eines großen Sünders zum Beichten hindeutete, rieb er sich die Hände: „Ha! Morgen gibt es einen großen Fisch!" Denn er hatte gelernt, dass die Heftigkeit der Angriffe proportional zur Größe der Beute war, die Gott ihm am nächsten Tag schicken würde. Gemma hatte denselben Instinkt. Als der Teufel einmal floh, schrieb sie an ihren Beichtvater: „Wenn Sie ihn gesehen hätten, Pater, wie er Grimassen schneidend davonlief, hätten Sie laut gelacht! Er ist so hässlich! Aber Jesus hat mir gesagt, ich solle keine Angst vor ihm haben." Und als der Teufel sie schlug, sagte sie ihm ins Gesicht: „Ich sollte mich geißeln. Du kannst es für mich tun." Und als er sie von der Kommunion abhalten wollte und sie ihm einmal gehorchte, um dann seinen Triumph zu sehen und umzukehren, sagte sie ihm auf der Türschwelle: „Oh, ich verstehe!" — was so viel hieß wie: „Aha, du bist also der Teufel! Gut, jetzt gehe ich erst recht zur Kommunion, dir zum Trotz." Dieser Humor ist keine Oberflächlichkeit. Er ist das Zeichen der tiefsten theologischen Wahrheit: Der Teufel ist ein besiegter Feind. Christus hat ihn am Kreuz besiegt. Er kann noch toben, aber er kann nicht siegen. Wer das wirklich glaubt — nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen —, der kann über den Teufel lachen. Und nichts verletzt den Stolz des gefallenen Engels mehr als ein Lachen.

 

Warum Gott es zulässt

Beide Heiligen wussten, dass die Angriffe des Teufels nur mit Gottes Erlaubnis geschahen — und dass sie einem Zweck dienten. Jesus selbst hatte Gemma gewarnt: „Sei bereit, meine Tochter; der Teufel wird auf mein Geheiß den Krieg führen, der dir den letzten Schliff geben wird." Und an anderer Stelle: „Weißt du nicht, dass ich dir schon vor langer Zeit gesagt habe, es werde ein Tag kommen, an dem niemand dir glaubt? Dieser Tag ist gekommen! Oh, wie viel angenehmer bist du mir, wenn du verachtet wirst, als wenn alle dich für eine Heilige hielten!" Der Pfarrer von Ars kam zu demselben Schluss — auf empirischem Weg. Er bemerkte, dass die heftigsten Nächte stets den größten Bekehrungen vorausgingen. Der Teufel tobte, weil er wusste, dass er am nächsten Tag eine Seele verlieren würde. Die Angriffe waren, paradoxerweise, ein Zeichen der Wirksamkeit. „Wenn ein großer Sünder kommt", pflegte Vianney zu sagen, „dann kündigt mir der Grappin das am Abend vorher an." Der Theologe Saudreau, den Pater Amedeo in seiner Gemma-Biografie zitiert, fasst die Lehre der Kirchenväter so zusammen: „Besessenheit ist kein absolutes Übel. Die Sünde allein ist ein wahres Übel. Besessenheit ist ein schreckliches Leiden, aber ein Leiden, das zum größeren Wohl einer Seele sein kann. Gott lässt manchmal zu, dass die unschuldigsten und heiligsten Personen diese schwere Prüfung durchmachen." Monsignore Volpi, Gemmas Beichtvater, der jahrelang zwischen Zweifel und Glaube schwankte, kam am Ende seines Lebens zum selben Schluss: „Heute bin ich überzeugt, dass solche Dinge von Gott zugelassen werden, um der Menschheit einen greifbaren und äußeren Beweis für ein inneres und geistliches Wirken zu geben, das er manchmal in privilegierten Seelen hervorbringt."

 

Verschiedene Berufung, gleicher Kampf

Es gibt freilich Unterschiede. Vianneys Kampf dauerte vierunddreißig Jahre — ein ganzes Priesterleben. Gemmas Kampf dauerte vier Jahre, von 1899 bis zu ihrem Tod 1903. Aber was Gemma an Dauer fehlte, ersetzte sie durch Intensität: In diese vier Jahre fiel eine Dichte an übernatürlichen Phänomenen — Stigmata, Dornenkrönung, Geißelung, Blutschweiß, Ekstasen, Visionen, Levitation, Besessenheit —, die ohne Parallele ist. Vianney war Priester — sein Kampffeld war der Beichtstuhl, seine Waffe das Sakrament. Gemma war Laiin — ihr Kampffeld war das Bett, der Fußboden, die stille Ecke im Haus Giannini. Vianney rettete die Seelen, indem er ihnen die Absolution erteilte. Gemma rettete sie, indem sie an ihrer Stelle litt. Verschiedene Berufung, verschiedene Mittel — aber derselbe Feind, derselbe Kampf, derselbe Sieg.

Und es gibt eine letzte, berührende Parallele: Beide starben, wie sie gelebt hatten — in Frieden. Der Pfarrer von Ars starb am 4. August 1859, erschöpft von einem Leben des Dienstes, umgeben von seiner Gemeinde. Gemma starb am Karsamstag 1903, fünfundzwanzig Jahre alt, mit einem Lächeln auf den Lippen, als die Osterglocken die Auferstehung verkündeten. Der Pfarrer sprach: „Ist sie wirklich tot?" — so friedlich war ihr Gesicht. Der Teufel, der sie beide so viele Jahre gequält hatte, war am Ende nicht da. Er hatte verloren. Er verliert immer. „Dummer, alter Satan" — sagte der Pfarrer von Ars und schlug das Kreuzzeichen. „Chiappino hat mir einen Schlag auf den Arm gegeben" — sagte Gemma und lächelte. Zwei Heilige, die uns lehren, dass der Kampf gegen das Böse kein Grund zur Angst ist, sondern — wenn man auf der richtigen Seite steht — fast ein Grund zur Heiterkeit.