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Die Herrlichkeiten Mariens - Das Lieblingsbuch der heiligen Gemma Galgani

Unter den wenigen Büchern, die Gemma Galgani besaß und las, nimmt eines einen besonderen Platz ein: „Die Herrlichkeiten Mariens“ (Le Glorie di Maria) des heiligen Alfons Maria von Liguori, des großen Kirchenlehrers und Gründers der Redemptoristen. Es war das Buch, das sie immer wieder in die Hand nahm, aus dem sie ihren Geschwistern und Tanten vorlas, und dessen Geist ihre gesamte Marienfrömmigkeit prägte. Der heilige Alfons veröffentlichte sein Werk 1750, als er vierundfünfzig Jahre alt war und sein Ende nahe glaubte. Es wurde sein erfolgreichstes Buch: In wenigen Jahren erschienen Übersetzungen in neun Sprachen, und bis heute ist es eines der meistgelesenen marianischen Werke der Kirchengeschichte. Noch im Alter von neunzig Jahren ließ sich der Heilige daraus vorlesen, ohne zu wissen, dass er selbst der Verfasser war. Als man es ihm sagte, schwieg er verlegen. Das Buch ist eine umfassende Sammlung dessen, was die Kirchenväter, die großen Theologen und die Heiligen über die Muttergottes gelehrt haben — über ihre Barmherzigkeit, ihre Fürsprache, ihre Macht und ihre mütterliche Liebe zu den Sündern. Den roten Faden bildet die Auslegung des Salve Regina, jenes uralten Gebets, das die Kirche Maria als „Königin der Barmherzigkeit“, „unser Leben, unsere Süßigkeit, unsere Hoffnung“ anruft. Alfons schreibt mit jener „himmlischen Süße“, die schon seine Zeitgenossen bemerkten: gelehrt, aber nie trocken; theologisch präzise, aber von einer Innigkeit, die den Leser zur Liebe entflammt. Für Gemma Galgani war dieses Buch nicht bloße Lektüre, sondern gelebte Erfahrung. Alles, was Alfons über die mütterliche Zuflucht Mariens schreibt, erlebte Gemma am eigenen Leib. Sie, die Waise, die ihre irdische Mutter mit sieben Jahren verloren hatte, fand in Maria ihre himmlische Mutter und nannte sie „Mama“ — mit einer Vertraulichkeit, die ihre Umgebung manchmal erstaunte. In den Ekstasen sprach sie mit Maria wie ein Kind mit seiner Mutter: „Mama, lass nicht zu, dass ich Jesus betrübe! Mama, geh zu Jesus und sage ihm, er möge den Sündern vergeben! Er kann dir nicht Nein sagen!“ Gemmas Beichtvater Monsignore Volpi und der Pfarrer von San Leonardo gaben ihr Bücher über die Muttergottes, und Schwester Giulia Sestini erinnerte sich, dass Gemma diese manchmal ihren Geschwistern und sogar den Tanten laut vorlas. In den langen Winterabenden unterbrachen Gemma und ihre Schwester Julia abwechselnd die Handarbeit, um aus Heiligenleben und Andachtsbüchern vorzulesen. Die „Herrlichkeiten Mariens“ gehörten zu diesen Büchern — und man darf vermuten, dass Gemma in den feurigen Worten des heiligen Alfons ihre eigene Erfahrung mit Maria wiederfand, bestätigt und vertieft. Pater Germano schrieb Gemma sogar ein schönes Gebet an die Muttergottes zu, das in Wahrheit vom heiligen Alfons stammte — Gemma hatte es ihrer Freundin Euphemia Giannini diktiert, ohne die Quelle zu nennen, weil es ihr so aus dem Herzen sprach, dass sie es als ihr eigenes empfand. Das ist vielleicht der schönste Beweis für die Wirkung dieses Buches: Es wurde in Gemma zu lebendigem Gebet. Die folgenden zehn Passagen sind dem Werk des heiligen Alfons entnommen. Sie wurden ausgewählt, weil sie jene Themen berühren, die im Leben der heiligen Gemma eine besondere Rolle spielten: die Barmherzigkeit Mariens, ihre mütterliche Liebe zu den Sündern, ihre Macht als Fürsprecherin, und die Vertrautheit, mit der ein Kind sich an seine Mutter wendet. Wer diese Passagen liest, hört darin zugleich das Echo von Gemmas eigener Stimme.

 

Zehn Passagen aus den Herrlichkeiten Mariens

 

1. Die Königin der Barmherzigkeit

Maria also ist Königin; aber jeder soll zu seinem Trost wissen, dass sie eine ganz gütige und milde Königin ist, und geneigt, uns Elenden Gutes zu tun. Deshalb will die heilige Kirche, dass wir sie im Salve Regina als „Königin der Barmherzigkeit“ begrüßen. Nicht so Maria, die, wenngleich Königin, doch nicht Königin der Gerechtigkeit und somit auf die Züchtigung der Übeltäter, sondern als Königin der Barmherzigkeit auf Milde und Vergebung für die Sünder bedacht ist. Das Reich der Gerechtigkeit behielt Er sich vor; das Reich der Barmherzigkeit aber hat Er Maria überlassen und angeordnet, dass alle Erbarmungen, die den Menschen zuteil werden, durch die Hand Mariens gehen und nach ihrem Wohlgefallen verteilt werden.

 

2. Keine Furcht, ihr zu nahen

„O nein“, sagt der hl. Gregor VII., „je höher Maria steht und je heiliger sie ist, desto milder und gütiger ist sie gegen die Sünder, die sich bekehren wollen und zu ihr ihre Zuflucht nehmen.“ Welch eine Furcht könnten wohl die Unglücklichen haben, dieser Mutter der Barmherzigkeit zu nahen, die für den, der zu ihr die Zuflucht nimmt, nicht Schrecken und Härte, sondern nur Güte und Freundlichkeit offenbart? „Was scheut sich der gebrechliche Mensch zu Maria hinzutreten? Nichts Strenges ist an ihr, nichts Furchterregendes; ganz sanft ist sie und bietet allen Wolle und Milch.“

 

3. Die Offenbarung an die hl. Birgitta

„Ich bin die Königin des Himmels und die Mutter der Barmherzigkeit; ich bin die Freude der Gerechten und die Pforte, durch welche die Sünder zu Gott gelangen. Kein Sünder lebt auf Erden, und wäre er auch noch so verworfen, der von meinem Erbarmen ausgeschlossen wäre. Ich werde von allen die Mutter der Barmherzigkeit genannt, und wahrlich, das Erbarmen Gottes mit den Menschen hat mich so barmherzig gemacht.“

 

4. Fliehen wir zu ihren Füßen

Fliehen wir also, ja flüchten wir allezeit zu den Füßen dieser süßesten Königin, wenn wir sicher unser Heil erlangen wollen! Und schreckt und entmutigt uns der Anblick unserer Sünden, so lasst uns bedenken, dass Maria dazu die Mutter der Barmherzigkeit geworden ist, dass sie durch ihren Schutz die größten und verworfensten Sünder rettet, wenn sie sich ihr anbefehlen.

 

5. Mutter — der Name, den die Kinder im Mund tragen

Und siehe, es ist unsere Mutter, die uns ruft und Mut zuspricht: „Ist jemand klein, so komme er zu mir.“ Die Kinder haben immer den Namen Mutter im Mund; in jeder Gefahr und bei jedem Schrecken erheben sie alsogleich ihre Stimme und rufen: Mutter, Mutter! O süßeste Jungfrau Maria, o liebreichste Mutter! Das ist es eben, was du wünschst, dass wir wie die Kinder werden und dich in unseren Gefahren immerfort anrufen.

 

6. Der Walfisch und seine Jungen

„Wenn der Walfisch seine Jungen vom Sturm oder von den Jägern bedroht sehe, so öffne er seinen Rachen und nehme sie in sich auf. So macht es Maria“, sagt Novarin. Diese gütigste Mutter der Gläubigen nimmt sie, wenn der Sturm der Versuchungen tobt, mit mütterlicher Liebe gleichsam in ihr Innerstes auf und beschützt sie, bis sie diese in den seligen Hafen gebracht hat.

 

7. Wenn eine Mutter ihr Kind zwischen den Schwertern erblickt

„Wenn eine Mutter ihr Kind zwischen den Schwertern der Feinde erblicken würde, so würde sie alle Anstrengung machen, es zu retten. So tue, handle auch ich, und so werde ich allen Sündern tun, die meine Barmherzigkeit anflehen.“ Das ist also das Mittel, wodurch wir in jedem Kampf mit der Hölle immer siegen werden; wir dürfen nur zur Mutter Gottes die Zuflucht nehmen und rufen und immer wieder rufen: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin!“

 

8. Das Widmungsgebet des hl. Alfons an Maria

Auch an dich wende ich mich, meine süßeste Herrin und Mutter Maria. Du weißt es ja, wie ich nach Jesus auf dich die ganze Hoffnung meines ewigen Heils gesetzt habe; denn all mein Gutes, meine Bekehrung, meine Berufung, die Welt zu verlassen, und welch andere Gnaden ich noch von Gott empfangen habe, sie alle erkenne ich als durch deine Vermittlung mir geschenkt. Ich sehe, dass das Ende meiner Pilgerschaft herannaht; deswegen habe ich beschlossen, ehe ich sterbe, der Welt dieses Buch zu hinterlassen, damit es an meiner Statt fortfahre, dich zu loben.

 

9. „Gerettet im letzten Augenblick — Die Zuflucht der Verlassenen"

„Da ich den Augenblick des Todes nahen fühlte und mich so voll von Sünden und von allen verlassen sah, wandte ich mich an die Mutter Gottes und sagte ihr: Meine Herrin, du bist die Zuflucht der Verlassenen; siehe, jetzt bin ich von allen verlassen; du bist meine einzige Hoffnung. Du allein kannst mir noch helfen; habe Mitleid mit mir! Die seligste Jungfrau erlangte mir die Gnade, einen Akt der Reue zu erwecken. Ich starb und wurde gerettet.“

 

10. Das Lob Mariens — ein unversiegbarer Quell

„Das Lob Mariens ist ein unversiegbarer Quell, der umso reicher sich füllt, je weiter er fließt.“ Die seligste Jungfrau ist so groß und erhaben, dass, je mehr sie gepriesen wird, umso mehr noch erheischt es, dass sie gelobt werde. „Aller Menschen Zungen reichen nicht hin, sie nach Verdienst zu loben, auch nicht, wenn alle unsere Glieder sich in Zungen verwandeln würden.“

 

Gemma Galgani las in diesen Worten nicht ein Buch — sie las ihr eigenes Leben. Sie, die Waise, die Verlassene, die Sünderin (wie sie sich nannte), die Tochter der Schmerzen — sie fand in den Herrlichkeiten Mariens die Stimme jener Mutter, die sie mit sieben Jahren verloren hatte, und die sie im Himmel wiedergefunden hatte: „Mama, ich habe keine irdische Mutter mehr. Aber stattdessen habe ich eine himmlische Mutter.“