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Sie werden mich suchen, wenn ich tot bin - Zehn Wunder durch die Fürsprache der heiligen Gemma Galgani

Gemma Galgani hat einmal zu ihrer Tante Elisa gesagt: „Siehst du – sie wollen mich nicht, solange ich lebe. Aber sie werden mich suchen, wenn ich tot bin.“ Es war keine Prophezeiung aus Eitelkeit. Es war die nüchterne Beobachtung eines Menschen, der weißte, dass sein Leben unter Gottes Führung stand. Sie hatte recht. Kaum war Gemma gestorben, begannen die Berichte einzutreffen. P. Germano, ihr Seelenführer, sammelte bis zu seinem Tod 630 Briefe mit Zeugnissen von Bekehrungen und Heilungen auf Gemmas Fürsprache. Die Kirche begann den Seligsprechungsprozess vier Jahre nach ihrem Tod – eine für damalige Verhältnisse beispiellose Geschwindigkeit.

Hier sind zehn der berührenden und erstaunlichsten Zeugnisse – von den ersten Jahren nach ihrem Tod bis in die Gegenwart.

 

1. Der Fremde in Rom

P. Germano erzählt in seiner Biographie von einem unbekannten Mann, der kurz nach Gemmas Tod im Passionistenkloster bei den Heiligen Johannes und Paulus in Rom erschien und ihn sprechen wollte. Unter vier Augen sagte er: „Gemma Galgani hat mich zu Ihnen geschickt.“ Sie habe ihn aus dem Abgrund der Sünde gezogen, ihm ins Ohr geflüstert, nach Rom zu gehen und dort zu beichten. Der Mann war ein überzeugter Sünder gewesen – und stand nun dort, bereit, sein Leben zu ändern. P. Germano hörte seine Beichte. Das war das erste dokumentierte Zeugnis nach Gemmas Tod. Es war kein Körperwunder – es war eine Bekehrung. Gemma hatte zeitlebens mehr für Sünder gebetet als für Kranke. Der erste Beweis ihrer Fürspreche war dementsprechend: eine Seele, die umkehrt.

 

2. Philomena Bini aus Pisa: bösartige Magengesür

Philomena Bini, 72 Jahre alt aus Pisa, litt an einer malignen, krebsartigen Magengesür, die mehrere Ärzte unabhängig voneinander diagnostiziert hatten. Sie rief Gemma an – und genas. P. Germano, der dieses Zeugnis vor seinem Tod 1909 selbst noch entgegennahm, schrieb: „Diese wunderbaren Heilungen, nur einigen von vielen entnommen, sollten genügen, um die Gläubigen zu erbauen und zu ermutigen.“

 

3. Isolina Serafini: chronischer Kopfschmerz

Isolina Serafini aus der Toskana litt an einem chronischen, schmerzhaften Kopfleiden, das ihr den Schlaf raubte. Am 10. Oktober 1907 rief sie Gemma an. Von diesem Tag an litt sie nie mehr daran – und schlief ruhig. Sie schickte P. Germano eine schriftliche Erklärung, die sie eidlich beglaubigte. Das Datum hält sie fest: „vom 10. Oktober 1907 an, bis zum heutigen Tag, nicht ein einziges Mal mehr.“

 

4. Angela Pantalei: wenige Stunden vom Tod entfernt

Angela Pantalei aus Sigillo bei Perugia lag im Sterben. Die Ärzte gaben ihr noch wenige Stunden. Die Sterbesakramente waren gespendet, die Familie wartete auf das Ende. Eine Verwandte, Schwester Constanza Severini, gab der Sterbenden ein Bildchen Gemmas und bat sie, zu ihr zu beten. Kaum hielt Angela das Bild in Händen, begann sie sich besser zu fühlen. Wenige Tage später ging sie wieder ihren gewöhnlichen Beschäftigungen nach.

 

5. Luigi Busignani: notfallmäßige Operation verhindert

Luigi Busignani, Ingenieur aus Sassari, erkrankte plötzlich an einer akuten Appendizitis. Die Chirurgen erklärten, ohne Operation sei sein Leben nicht zu retten. Ein alter Freund empfahl ihm, zu Gemma zu beten. Busignani tat es. Die Operation wurde nicht nötig – er genas ohne chirurgischen Eingriff. In seinem schriftlichen Zeugnis beschreibt er, wie die Schmerzen nach dem Gebet schrittweise nachließen, bis nichts mehr übrig war.

 

6. Professor Francesco Aquilanti: Zusammenbruch und Wiederherstellung

Der Professor der Königlichen Universität Rom, Francesco Aquilanti, erlitt im Sommer 1931 einen schweren Nervenzusammenbruch, verbunden mit einer Diabetes-Erkrankung. Er fürchtete, seinen Verstand zu verlieren. Ein Priester empfahl ihm, Gemmas Bildnis auf die Stirn zu legen und zu ihr zu beten. Wenige Tage später begann er sich zu erholen. Am 21. November 1931 schrieb er seine eidesstattliche Erklärung: die Krise sei vollständig überwunden, und er könne nur Gott danken – und Gemma.

 

7. Das japanische Schuldirektoren-Zeugnis

1914 starb in der japanischen Stadt Okegawa ein 14-jähriges Mädchen namens Toriuni Kei, die einzige Katholikin an ihrer Schule. Während ihrer einmonatigen Krankheit hatte sie unaufhörlich die Biographie Gemmas gelesen. Sie starb mit dem Buch in den Händen – mit einem Lächeln im Gesicht, das alle Anwesenden beschrieben als schöner als alles, was sie je gesehen hatten. Der heidnische Schuldirektor, der ihr Sterben bezeugte, schrieb danach an die Passionisten: „Wir, die wir mehr oder weniger ohne Religion sind, haben zum ersten Mal die wunderbare Kraft verstanden, die der Glaube einer Seele geben kann.“ Er bat um Exemplare von Gemmas Biographie für alle seine Schüler. Ein Heil, das über eine Einzelperson hinausgeht.

 

8. Angelo's Schwester: Leukämie und die Krankenschwester namens Gemma

Ein modernes Zeugnis, von einem Mann namens Angelo, der es dem Webmaster der englischsprachigen Gemma-Website übermittelte: Seine Schwester lag mit einer aggressiven Form von Leukämie auf der Intensivstation. Die Ärzte sagten der Familie, sie solle nach Hause gehen – es seien noch drei bis vier Tage. Angelo hatte eine Reliquienkarte Gemmas an das Krankenbett seiner Schwester geheftet.

Wochen später war die Frau geheilt und zu Hause. Erst dann erinnerte sie sich: Während der schlimmsten Zeit war eine Krankenschwester namens Gemma in ihr Zimmer gekommen, hatte ihr Blut abgenommen und gesagt: „Sie werden gesund werden.“ Als die Schwester nach ihr fragte, sagte das Personal: Eine Krankenschwester dieses Namens arbeitete nicht auf der Station. Und hatte es nie getan.

 

9. Mariella Schunck: fünfzig Jahre Begleitung

Eine der außergewöhnlichsten Geschichten stammt aus Deutschland. Mariella Schunck, eine fromme Frau aus Regensburg, berichtet in einem mit kirchlicher Druckerlaubnis versehenen Buch, dass Gemma ihr kurz nach dem Tod erschienen sei – und sie danach fünfzig Jahre lang begleitet hätte. Sie beschreibt, wie Gemma sie ermahnte, ermutigte, über geistliche Dinge belehrte und sie in den Dienst für die Armen Seelen führte. Es handelt sich um private Offenbarungen, über die die Kirche kein offizielles Urteil gefällt hat. Aber das Büchlein, erschienen 1973, hat die kirchliche Druckerlaubnis erhalten. Es ist ein Zeugnis für die Lebendigkeit der Gemeinschaft der Heiligen – Gemma, die zeitlebens für die Armen Seelen gelitten hatte, setzt diesen Dienst offenbar fort.

 

10. Die beiden Kanonisationswunder

Die kirchliche Anerkennung von Heiligsprechungswundern ist der strengste Prüfstein. Für Gemmas Heiligsprechung 1940 wurden zwei medizinisch unerklärliche Heilungen anerkannt, die auf ihre Fürsprache zurückgeführt wurden. Die Akten dieser Prozesse sind in Rom archiviert. Papst Pius XII., der sie heiligsprach, nannte sie den „Stern meines Pontifikates“ – ein Satz, der zeigt, wie tief dieser Papst selbst von ihr bewegt war. Diese offiziellen Wunder sind im Kanonisationsverfahren dokumentiert und von Theologen, Medizinern und Kirchenrechtlern geprüft worden. Sie sind das Fundament der kirchlichen Anerkennung – und sie stehen neben Hunderten inoffizieller Berichte, die die Wirklichkeit von Gemmas Fürsprache belegen.

 

Eine Beobachtung zum Schluss

Wer die Wunderberichte über Gemma liest, bemerkt ein Muster: Es sind selten die Mächtigen, die sie anrufen. Es sind die Kranken, die Sterbenden, die Verzweifelten, die Sünder – Menschen am Rand ihrer Kräfte. Das entspricht Gemmas eigenem Leben. Sie selbst stand oft am Rand – und wurde getragen.

Vielleicht ist das das eigentliche Wunder: nicht die einzelnen Heilungen, so erstaunlich sie sind, sondern die Tatsache, dass eine 25-jährige Frau aus Lucca, arm und krank und von den Ordenshäusern abgewiesen, heute in Japan und Deutschland und Rom und überall auf der Welt als Fürsprecherin angerufen wird.

 

 

„Sie werden mich suchen, wenn ich tot bin.“ — Gemma Galgani zu ihrer Tante Elisa

 

QUELLEN

P. Germano Ruoppolo CP: Das Leben der hl. Gemma Galgani (1907/1913) – mit Anhang über frühe Wunder. / Glenn Dallaire: stgemmagalgani.com – Miracles of Saint Gemma Galgani (englischsprachige Sammlung von Zeugnissen). / Mariella Schunck: Erscheinungen der hl. Gemma Galgani (mit kirchlicher Druckerlaubnis, Regensburg 1973).