Es war 2003 – hundert Jahre nach dem Tod Gemma Galganis. Im Buchshop des Klosters Santa Gemma in Lucca klingelte das Telefon. Ein junger muslimischer Mann aus Israel war in der Leitung, ein Freund des Priesters, der dort gerade seinen Dienst tat. Der Priester war eigentlich in Israel stationiert, hielt sich aber in jenem Augenblick zufällig in Lucca auf – in eben jenem Kloster, unter dessen Hauptaltar Gemma Galgani begraben liegt. Er hörte seinem Freund zu, legte den Hörer auf und wandte sich an den Mitarbeiter neben ihm: „Komm, wir beten." Sie gingen in die Klosterkirche. Sie beteten. Und dann vergaßen sie die Sache beinahe. Drei Tage später rief der junge Mann erneut an.
Die Lage
Im Jahr 2003 wurden viele junge Muslime angewiesen, Israel zu verlassen und die Grenze nach Palästina zu überqueren. Der Freund des Priesters hatte seine Papiere nicht in Ordnung. Wer an der Grenze kontrolliert wurde und keine gültigen Dokumente vorweisen konnte, musste mit ernsthaften Folgen rechnen. Sein einziger Ausweg war ein Gebet. Er bat den Priester schlicht: Bete für mich. Mehr konnte er nicht tun. Keine Verbindungen, keine Ressourcen, keine Möglichkeit, die Situation aus eigener Kraft zu wenden.
Die junge Frau im schwarzen Kleid
Als die Taxis an der Grenze bereitstanden, um die Passagiere hinüberzubringen, trat eine junge Frau in schwarzem Gewand an das Fahrzeug des Mannes heran. Sie fragte höflich, ob sie mitfahren dürfe. Er ließ sie einsteigen. An der Grenze wurden alle Taxis angehalten und kontrolliert. Alle – bis auf seines. Sein Taxi wurde ohne Halt durchgewinkt. Auf der anderen Seite stiegen sie aus. Sie verabschiedeten sich. Bevor sie ging, fragte er nach ihrem Namen. „Ich bin Gemma Galgani." Dann war sie verschwunden.
Wer ist Gemma Galgani?
Der Mann kannte diesen Namen nicht. Er war Muslim, lebte in Israel, hatte mit der katholischen Heiligenverehrung nie etwas zu tun gehabt. Der Name bedeutete ihm nichts. Er rief den Priester an, schilderte, was geschehen war, und fragte: Wer ist diese Frau? Wer hat sie geschickt? Der Priester erklärte es ihm. Gemma Galgani – 1903 in Lucca gestorben, 1940 heiliggesprochen – war die Heilige, in deren Kirche er und der Buchshop-Mitarbeiter drei Tage zuvor gebetet hatten.
Zehn Jahre später: eine zweite Stimme
Die Geschichte hätte hier enden können. Doch 2013 – ein Jahrzehnt nach den Ereignissen – unternahm Angelo, ein Gemma-Verehrer aus den USA, eine Pilgerreise nach Lucca. Bei einem Gespräch dort begann er, diese Geschichte zu erzählen. Ein Apotheker aus Turin, der zufällig dabei war, unterbrach ihn. Er kannte die Geschichte. Nicht aus zweiter Hand – er kannte den jungen Mann persönlich. Und seine Version ergänzte Angelos Bericht um ein Detail, das dieser nicht gewusst hatte: Gemma hatte seine Hand gehalten. Die gesamte Fahrt über, bis zur Grenze.
Die Bekehrung
Was aus dem jungen muslimischen Mann wurde, ist der Schluss, den Angelo in seiner Erzählung nur kurz berührt: Er wurde Christ, wurde katholisch. Nicht durch äußeren Druck. Nicht von einem Tag auf den anderen. Sondern weil eine Frau in schwarzem Gewand in sein Taxi gestiegen war, seine Hand gehalten hatte und sich an der Grenze mit einem Namen verabschiedet hatte, den er nicht kannte. Gemma Galgani hatte ihr ganzes kurzes Leben für die Bekehrung der Menschen gebetet. Sie hatte gelitten, gefastet, die Heilige Stunde gehalten – alles für die Seelen. In einer Ekstase hatte sie ausgerufen: „Ich möchte, dass meine Stimme bis ans Ende der Erde dringt, um alle Sünder zu rufen." Das Jahr 2003 war das hundertste Jahr nach ihrem Tod. Und in diesem Jahr stieg sie in ein Taxi in Israel ein.
Eine Geschichte ohne Beweis, doch mit vielen Zeugen
Diese Geschichte ist nicht kirchlich geprüft, nicht im Kanonisationsprozess dokumentiert, nicht durch ärztliche Gutachten belegt. Sie ist das, was die Kirche ein privates Zeugnis nennt: eine überlieferte Erfahrung, die nicht widerlegt werden kann, die in sich schlüssig ist – der aber nicht die Autorität eines offiziellen Wunders zukommt. Was sie trägt, sind mehrere unabhängige Stimmen: der Priester, der Buchshop-Mitarbeiter in Lucca, Angelo, der die Geschichte aus erster Hand hörte, der Apotheker aus Turin, der sie ohne Aufforderung bestätigte und um ein entscheidendes Detail bereicherte – und schließlich der junge Mann selbst, dessen Konversion der Geschichte ihr eigentliches Gewicht verleiht. Pater Germano hatte nach Gemmas Tod 630 Briefe mit ähnlichen Zeugnissen in seinem Nachlass. Er schrieb dazu: „Diese Heilungen und Bekehrungen, aus vielen ausgewählt, die sich unaufhörlich ereignen – mögen sie die Gläubigen erbauen und ihnen Mut machen, in allen Leiden mit lebendigem Glauben zu ihr zu rufen." Dasselbe gilt heute.
QUELLE
Angelo (Nachname der Redaktion bekannt), Zeugnis übermittelt an Glenn Dallaire, stgemmagalgani.com, erstveröffentlicht 2012, ergänzt Oktober 2013. – Das Zeugnis ist nicht kirchlich geprüft. Es wird hier als persönliches Zeugnis aus dem Kreis der Gemma-Verehrer wiedergegeben.
Siehe auch: Sie werden mich suchen, wenn ich tot bin – Zehn Wunder durch Gemmas Fürsprache
