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„Du wirst sehen, was ich tue, wenn ich im Himmel bin“ - Gruppen, Bewegungen und Gemeinschaften im Zeichen der hl. Gemma Galgani

„Du wirst sehen, was ich tue, wenn ich im Himmel bin. Ich werde dich um jeden Preis mitnehmen.“ – Dieses Versprechen richtete Gemma Galgani an ihren Seelenführer P. Germano Ruoppolo CP. Es war kein leeres Wort. Denn seit ihrem Tod am Karsamstag 1903 hat sich um die junge Mystikerin aus Lucca ein erstaunlich dichtes Netz von Ordensgemeinschaften, Laienbewegungen, Stiftungen und Verehrungsgemeinschaften gebildet, das die ganze Welt umspannt. Gemma selbst war keine Ordensfrau. Trotz ihres glühenden Wunsches, Passionistin zu werden, blieb ihr der Eintritt in die Klausur zeitlebens verwehrt – wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit und ihrer außergewöhnlichen mystischen Phänomene. Dennoch wurde sie nach ihrem Tod von den Passionisten als eine der Ihren angenommen und 1940 als „passionistische Heilige“ kanonisiert. Papst Franziskus nannte sie 2017 die „Apostelin der Passion Jesu“. Aus diesem paradoxen Grundmotiv – die Heilige, die nie einem Orden angehörte, aber dessen leuchtendster Stern wurde – erklärt sich die Vielfalt der Gruppen, die ihr Andenken pflegen.

 

1. Ordensgemeinschaften

 

Die Passionisten (Congregatio Passionis, CP)

Die Kongregation der Passion Jesu Christi, gegründet 1720 von Paulus vom Kreuz, ist die tragende Säule der weltweiten Gemma-Verehrung. Obwohl Gemma nie kanonisch aufgenommen wurde, zählt sie zu den populärsten Heiligen der Gemeinschaft. Die Passionisten betreuen nahezu alle großen Gemma-Heiligtümer: das Monastero-Santuario in Lucca, das Santuario in Madrid mit der Herzreliquie, das Santuari in Barcelona, die Heiligtümer in A Coruña und Santiago de Chile sowie die Pfarreien in Bogotá, Medellín, Managua und viele weitere. Die Passionisten-Priester verbreiteten den Namen Gemmas durch ihre weltweite Missions- und Exerzitientätigkeit. In der Konfiguration SCOR (Sagrado Corazón), die Spanien, Peru, Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Chile, Panama, Honduras, Guatemala, Kuba, El Salvador, Bolivien und Nicaragua umfasst, ist Gemma besonders präsent. In der Konfiguration PASPAC (Asien-Pazifik) erstreckt sich die Verehrung auf Australien, die Philippinen, Korea, Japan, Indonesien und Indien. Die Konfiguration CPA (Afrika) umfasst Kenia, Tansania, Kongo, Südafrika, Botswana und Sambia. Weltweit zählt die Kongregation rund 2.500 Mitglieder. Neben den traditionellen Volksmissionen betreuen die Passionisten heute Pfarreien, Heiligtümer, Schulen und Sozialzentren. Gemäß ihrem vierten Gelübde, das Andenken an die Passion Jesu lebendig zu halten, ist Gemma als lebendiges Abbild des Gekreuzigten für sie ein Vorbild erster Ordnung.

 

Die klausurierten Passionistinnen in Lucca

Im Monastero-Santuario di Santa Gemma in Lucca leben klausurierte Passionistinnen, die Gemmas sterbliche Überreste hüten und ein kontemplatives Leben im Geist der Heiligen führen. Es war Gemmas größter Wunsch, Passionistin zu werden; nach ihrem Tod wurde das Kloster, für dessen Gründung sie gebetet und gelitten hatte, an der Stelle errichtet, wo ihr Leib ruht. Die Gemeinschaft versteht sich als „Zentrum kontemplativer Spiritualität, das in der Welt die Bekanntschaft mit der heiligen Gemma Galgani verbreitet und ihre brennende Botschaft wieder vorschlägt“. Die Schwestern sind telefonisch und per E-Mail erreichbar und empfangen Pilger aus aller Welt.

 

Die Missionsschwestern der hl. Gemma Galgani (Lucca/Camigliano)

Am 4. Mai 1939 gründete die ehrwürdige Eufemia Giannini – Gemmas jüngste Vertraute aus der Familie Giannini – in Camigliano die Congregazione Missionaria Sorelle di Santa Gemma (Missionsschwestern der hl. Gemma Galgani). Die Gründung ging auf eine Vision vor dem Allerheiligsten zurück: Eufemia sah „in einem Augenblick wie in einem Gemälde, was der Herr wollte: dass die Orte, an denen die hl. Gemma geboren wurde, lebte und starb, von Gott geweihten Seelen unter dem direkten Schutz der hl. Gemma behütet würden, die Werken der Nächstenliebe gewidmet sind“. Im Zentrum ihrer Spiritualität steht der gekreuzigte Christus als Offenbarung der Liebe Gottes – ganz im Geist Gemmas. Die vier Grundtugenden der Gemeinschaft sind jene, die Mutter Gemma Eufemia aus dem Leben der Heiligen herausdestillierte: Demut, Einfachheit, Nächstenliebe und Opfer. Der Familiensinn, der im Hause Giannini herrschte, als Gemma dort aufgenommen wurde, prägt das Zusammenleben der Schwestern bis heute. Die Schwestern betreuen die Casa Giannini in Lucca (Via del Seminario 10), in der Gemma ihre letzten drei Lebensjahre verbrachte, und das Geburtshaus in Camigliano, das zugleich Mutterhaus der Kongregation ist. Dort befindet sich auch eine Herzreliquie der Heiligen in einer etwa 50 cm hohen Statuette. Die Gemeinschaft ist missionarisch tätig und wirkt auch in der Demokratischen Republik Kongo, in der Erzdiözese Bukavu, wo sie Bildungs- und Sozialarbeit leisten.

 

Die St.-Gemma-Schwestern von Dodoma (Tansania)

Eine ganz eigene Gründung entstand in Ostafrika: Die Congregation of St. Gemma Sisters of Dodoma (CSG) wurde 1938 vom italienischen Passionisten-Missionar P. Stanislaus Ambrosini im Dorf Kondoa in der Diözese Dodoma (Tansania) ins Leben gerufen. Drei Barmherzige Schwestern von Verona leiteten die Ausbildung der ersten Kandidatinnen. 1945 begannen die Postulantinnen das Noviziat, und 1947 legten die ersten fünf tansanischen Schwestern ihre Ordensgelübde ab – dieses Datum gilt als offizieller Gründungstag der Kongregation. Bis 1967 stand die junge Gemeinschaft unter der Leitung der Barmherzigen Schwestern. Dann wurde das erste Generalkapitel einberufen und die erste Generaloberin aus den Reihen der afrikanischen Schwestern gewählt. Die Kongregation ist bis heute im Erzbistum Köln verzeichnet und widmet sich der Erziehung, der Krankenpflege und der pastoralen Arbeit in Tansania. Sie ist ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Gemmas Charisma auch in völlig anderen kulturellen Kontexten Wurzeln schlägt.

 

Die Passionistinnen in Merlo (Argentinien)

In der Stadt Merlo in der Provinz Buenos Aires unterhalten Passionistinnen-Schwestern das Monasterio de Santa Gemma Galgani. Das Kloster bewahrt eine Erstklassreliquie der Heiligen, die direkt aus dem Santuario in Lucca übertragen wurde. Es ist ein Zentrum kontemplativen Lebens und der Gemma-Verehrung für den gesamten südamerikanischen Kontinent.

 

2. Laienbewegungen und passionistische Laiengruppen

 

Die Cofradía de la Pasión (Bruderschaft der Passion)

Bereits der hl. Paulus vom Kreuz selbst versammelte einen Kreis von Laien um sich, die unter seiner geistlichen Leitung lebten. Aus dieser Keimzelle entwickelte sich die Cofradía de la Pasión, eine Laienbruderschaft mit eigener Lebensregel, die die Spiritualität der Passion Christi im Alltag lebt. Gemma Galgani, die als Laiin den passionistischen Geist in höchster Vollkommenheit verkörperte, ist für diese Gemeinschaft ein besonderes Vorbild: Sie zeigt, dass die Heiligkeit der Passion nicht an Klostermauern gebunden ist.

 

Der Movimiento Seglar Pasionista

An vielen Passionisten-Heiligtümern weltweit bestehen Gruppen des Movimiento Seglar Pasionista (Passionistische Laienbewegung). Am Santuari de Santa Gemma in Barcelona etwa versammeln sich die Mitglieder jeden Freitag zur passionistischen Bildung und anschließend zur gemeinsamen Eucharistiefeier mit der Ordensgemeinschaft – „eine echte Familie bildend“, wie es heißt. Darüber hinaus engagieren sie sich sozial: Jeden Donnerstagabend gehen Freiwillige in die Randgebiete der Stadt, um Obdachlose mit Nahrung und Kleidung zu versorgen. Ähnliche Gruppen bestehen in Medellín (Kolumbien), wo eine Gläubige berichtet, sie habe während der Eucharistiefeier in der Pfarrei Santa Gema Wehen bekommen – und sei genau an jenem Tag der Heiligen zum ersten Mal begegnet.

 

Die Laicos Asociados Pasionistas und die Passionist Companions (USA)

In den Provinzen der Passionisten in den Vereinigten Staaten wurde eine weitere Form der Laienzugehörigkeit ins Leben gerufen: die Passionist Companions. Diese Laien verbinden sich mit der passionistischen Spiritualität, ohne Ordensgelübde abzulegen, und beteiligen sich an der Mission, die Erinnerung an die Passion Christi lebendig zu halten. Die Laicos Asociados Pasionistas bilden ein ähnliches Netzwerk im spanischsprachigen Raum. Für beide Gruppen ist Gemma Galgani als „Laien-Passionistin“ ein besonderes Identifikationsvorbild.

 

3. Stiftungen und mediale Verehrungsgemeinschaften

 

Die St. Gemma Foundation (USA)

Die St. Gemma Foundation ist eine in den Vereinigten Staaten ansässige gemeinnützige Stiftung, die sich der Förderung der Gemma-Verehrung widmet. Sie unterstützt die Ordensgemeinschaften in Lucca finanziell und verbreitet die Botschaft der Heiligen durch Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit. Auf ihrer Website schreibt die Stiftung: „In einer Zeit, die von Bequemlichkeit, Ablenkung und Selbstbezogenheit versucht ist, bietet die hl. Gemma ein leuchtendes Zeugnis der Reinheit, des Leidens und der übernatürlichen Liebe.“

 

StGemmaGalgani.com – das englischsprachige Online-Portal

Die von Glenn Dallaire seit über fünfzehn Jahren betriebene Website StGemmaGalgani.com ist das weltweit bedeutendste englischsprachige Portal zur hl. Gemma. Mit über siebzig Artikeln, Originaltexten Gemmas, authentischen Fotografien und einem aktiven Geschenkeshop hat die Seite eine weltumspannende Gemeinschaft von Verehrern zusammengeführt. Dallaire erhält Zuschriften aus Indien, von den Philippinen, aus Holland, Großbritannien, Kanada, Argentinien und vielen weiteren Ländern – Zeugnisse von Gebetserhörungen, Heilungen und Bekehrungen auf Fürsprache der Heiligen.

 

GemmaGalgani.net – das deutschsprachige Portal

Für den deutschsprachigen Raum stellt die Website GemmaGalgani.net einen wertvollen Anlaufpunkt dar. Sie bietet Informationen zur Biografie der Heiligen, einen detaillierten Pilgerführer nach Lucca mit Kontaktdaten der Schwesterngemeinschaften und Hinweise zu den Verehrungsstätten. Die Seite verzeichnet auch die Kontaktdaten der klausurierten Passionistinnen im Santuario und der Missionsschwestern in der Casa Giannini.

 

4. Regelmäßige Verehrungspraktiken an den Heiligtümern

 

An den großen Gemma-Heiligtümern hat sich ein dichtes Netz regelmäßiger Andachtsformen entwickelt, das die Verehrung lebendig hält:

 

Lucca

• Jeden ersten Donnerstag im Monat um 20:30 Uhr: Cenacolo Passionista con Santa Gemma (passionistischer Abendmahlssaal mit der hl. Gemma)

• Am 8. jedes Monats um 16:30 Uhr: Gedenkandacht an die Stigmatisation

• 12. März: Geburtstagsfest („Festa dei Bambini“)

• 11. April: Todestag der Heiligen

• 8. Juni: Fest der Stigmatisation mit Prozession

• 1.–15. Mai: Quindicina (fünfzehn Tage der Vorbereitung)

• 7.–15. Mai: Novene, Übertragung der Urne in den Dom San Martino neben den Volto Santo

• 16. Mai: Pontifikalamt und feierliche Prozession der Urne durch Lucca zurück zum Santuario

 

Madrid

• Am 14. jedes Monats: Feierliche Wallfahrt mit Verehrung der Herzreliquie (seit den 1950er-Jahren ununterbrochen)

• Messen an Wallfahrtstagen wie an Festtagen

 

Barcelona

• Am 14. jedes Monats: Gedenktag mit festlichem Gottesdienst und Reliquienverehrung

• Eucharistische Anbetung jeden Donnerstag von 10:30 bis 13:00 Uhr

• Freitagabend: Treffen des Movimiento Seglar Pasionista mit Bildung und Eucharistiefeier

 

Managua (Nicaragua)

• 14. Mai: Patronatsfest mit Mañanitas in der Morgendämmerung, Pontifikalamt mit dem Erzbischof, feierlicher Prozession durch alle Straßen der Colonia und Feuerwerk – eine über fünfzigjährige Tradition

 

Santiago de Chile

• Am 14. jedes Monats: Messe zu Ehren der hl. Gemma im Santuario-Parroquia in Ñuñoa

 

Schluss: Die passionistische Familie – vereint im Zeichen Gemmas

 

Was sich beim Überblick über diese Vielfalt von Gemeinschaften zeigt, ist etwas Bemerkenswertes: Die Gestalt Gemma Galganis hat eine integrierende Kraft, die weit über die Grenzen des Passionistenordens hinausreicht. Sie verbindet klausurierte Nonnen in Lucca mit Missionarinnen im Kongo, afrikanische Schwestern in Tansania mit spanischen Laiengruppen, eine amerikanische Stiftung mit kolumbianischen Pfarrgemeinden, nicaraguanische Volksfrömmigkeit mit philippinischen Pfarreien. Dass ausgerechnet eine junge Frau, die nie einem Orden angehörte, zur Patronin und Namensgeberin so vieler Ordensgemeinschaften und Laienbewegungen wurde, hat seine innere Logik: Gemma zeigt, dass die Nachfolge des Gekreuzigten nicht an einen bestimmten Stand gebunden ist. Sie war Waise, Dienerin, Kranke – und zugleich Stigmatisierte, Visionärin, Mystikerin. In ihr berühren sich höchste mystische Gnade und schlichteste Alltäglichkeit, tiefste Armut und überströmende Liebe. Genau diese Spannung macht sie zum Vorbild für Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Die ehrwürdige Eufemia Giannini formulierte es so: Gemma zu kennen heiße, „die vier Tugenden“ zu leben, die ihr Leben prägten: Demut, Einfachheit, Nächstenliebe und Opfer. Diese vier Grundhaltungen bilden das unsichtbare Band, das alle Gemma-Gemeinschaften der Welt verbindet – von den Klostermauern in Lucca bis zu den Armenvierteln von Barcelona, von den Hügeln Tansanias bis zu den Straßen von Managua. Und so erfüllt sich Gemmas Versprechen an P. Germano auf eine Weise, die sie selbst kaum geahnt haben dürfte: „Du wirst sehen, was ich tue, wenn ich im Himmel bin.“ Was sie tut, ist sichtbar – in jedem Heiligtum, in jeder Schwesterngemeinschaft, in jeder Laiengruppe, in jedem Gebet, das in ihrem Namen gesprochen wird.

 

Siehe auch: „Ich wünschte, meine Stimme reichte bis ans Ende der Welt“ -  Kirchen, Heiligtümer, Schulen und Bildungseinrichtungen im Namen Gemmas auf der ganzen Welt