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„Von diesem Tag an wusste ich, dass ich einer großen Seele begegnet war“ - Gemma Galgani und ihre Freundin Palmira Valentini

Im Leben der heiligen Gemma Galgani, das so sehr von Leid, Einsamkeit und Unverständnis geprägt war, gab es eine Freundschaft, die sich durch schlichte Treue und geistliche Tiefe auszeichnete: die Freundschaft mit Palmira Valentini. Palmira war keine Ordensfrau, keine geistliche Führerin, keine berühmte Persönlichkeit – sie war eine fromme junge Frau aus Lucca, die Gemma aus eigenem Antrieb aufsuchte und in ihr sofort jene Größe erkannte, die den meisten verborgen blieb. Ihre Aussagen im Seligsprechungsprozess gehören zu den wertvollsten Zeugnissen über Gemmas Wesen.

 

Eine Begegnung ohne Einführung

Palmira Valentini gehörte zu jenen jungen Frauen, die Gemma während ihrer langen Krankheit im Haus des Vaters besuchten. Die Biografie von P. Amedeo beschreibt sie als älter als Gemma, fromm und wohltätig – eine Frau, die mit Gemma „eines Sinnes und einer Seele“ war. Palmira selbst schilderte die erste Begegnung im Seligsprechungsprozess mit schlichten Worten: „Ich hatte von Gemma gehört, und der Wunsch kam mir, sie persönlich kennenzulernen. Ohne jede Einführung stellte ich mich in ihrem Hause vor. Sie empfing mich freundlich und fragte, ob ich täglich zur Kommunion gehe. Als ich ‚Bja‘ sagte, schenkte sie mir einen Blick und ein Lächeln des Wohlgefallens. Beim Abschied bat sie mich, bald wiederzukommen, und von diesem Augenblick an begann unsere Freundschaft. Von diesem Tag an wusste ich, dass ich einer großen und schönen Seele begegnet war.“ Es ist bezeichnend, dass Gemmas erste Frage an eine Fremde nicht der Höflichkeit galt, sondern dem Wesentlichen: Gehst du täglich zur Kommunion? Und es ist ebenso bezeichnend, dass ein einfaches „Ja“ genügte, um Gemmas Herz zu öffnen. Wo die Liebe zu Jesus war, dort konnte auch Freundschaft sein.

 

Vertraute in schwerer Zeit

Als bei Gemma die außerordentlichen Gnadenerweise begannen – die Ekstasen, die Stigmata, die Visionen –, wurde Palmira zu einer der wenigen Vertrauenspersonen außerhalb der Familie Giannini. Gemma erzählte Palmira von dem, was ihr widerfuhr, und zwar mit jener kindlichen Offenheit, die alle Zeugen an ihr hervorheben. Dies brachte Palmira allerdings in Konflikt mit Gemmas Tanten. In einem Brief an Monsignore Volpi vom November 1899 schilderte Gemma eine erschreckende Szene: Die Tanten seien sehr böse geworden, weil Gemma Palmira und Cäcilia Giannini mehr liebe als sie selbst. Eine Tante habe sie am Hals gepackt, sie vor ein Kruzifix gestellt und von ihr verlangt, sie solle schwören, dass sie es gewesen sei, die Palmira alles erzählt habe. Gemma antwortete wahrhaftsgemäß, sie würde lieber alles erdulden, als den Tanten etwas zu sagen – denn wenn diese in der Kirche bei ihr gewesen seien und Gemma in Ekstase geraten sei, hätten sie sie entweder allein gelassen oder mit einem Schlag auf den Kopf geweckt, weil sie fürchteten, Gemma sei verrückt geworden. Es war also Palmira – neben Cäcilia Giannini –, der Gemma sich öffnete, während die eigene Familie sie mit Unverständnis und Gewalt bedachte. Palmira war eine Zuflucht.

 

Zeugin der Stigmata

Palmira Valentini war eine der ersten Personen außerhalb des engsten Kreises, die Gemmas Stigmata mit eigenen Augen sah. Im Seligsprechungsprozess bezeugte sie, dass Gemma eines Tages zu ihr nach Hause kam und sie die Wundmale an ihren Händen erblickte. Eine andere Augenzeugin berichtete, dass sie Gemma nach einer Ekstase in der Kirche mit blutenden Händen sah und auf dem Weg nach draußen Palmira Valentini traf. Sie bat Palmira, Gemma zu Monsignore Volpi zu bringen, damit er die Stigmata selbst sehen könne. Palmira tat es. Sie führte Gemma zu Monsignore Volpi, der zu dieser Zeit Exerzitien für Kinder hielt. Gemma sprach unter vier Augen mit dem Monsignore und zeigte ihm die Stigmata. Er versuchte, das Blut mit einem Taschentuch abzuwischen. Gemma selbst erzählte Palmira danach von dieser Begegnung. Es war Palmira, die als Vermittlerin diente – die Gemma an der Hand nahm und zu jener kirchlichen Autorität führte, die ihre Echtheit prüfen sollte.

 

Hüterin des Wenigen

Nach dem finanziellen Ruin und dem Tod des Vaters besaß Gemma fast nichts mehr. Als sie in die Familie Giannini aufgenommen wurde, bestand ihr ganzer Besitz aus etwas Wäsche, zwei Kleidern und einem Hut. Doch sie hatte noch etwa dreißig Lire – und diese gab sie Palmira Valentini zur Aufbewahrung. Es ist ein kleines, aber sprechendes Detail: Gemma vertraute Palmira nicht nur ihre Seele an, sondern auch ihr letztes Geld. Jeden Monat erhielt Gemma fünf oder sechs Lire von einer Tante in Camaiore – doch dieses Geld floss sofort in Almosen. Palmira wusste um Gemmas völlige Armut und hütete, was die Freundin ihr anvertraute.

 

„So einfach, dass sie wie ein Kind erschien“

Im Seligsprechungsprozess wurde Palmira nach Gemmas Charakter befragt. Ihre Antwort fasst in einem Satz zusammen, was viele Zeugen in langen Erklärungen zu sagen versuchten: „Sie war immer so einfach, dass sie wie ein Kind erschien.“ Diese Einfachheit war es, die Gemma dazu brachte, jedem von ihren inneren Erlebnissen zu erzählen – den Mantellate-Nonnen, den Krankenschwestern, und eben Palmira. Erst als Monsignore Volpi davon erfuhr, befahl er Gemma, nur noch der Oberin darüber zu sprechen. Gemma gehorchte sofort. Doch die Offenheit gegenüber Palmira war keine Schwäche – sie war Ausdruck jenes kindlichen Vertrauens, das Gemma nicht nur gegenüber Gott, sondern auch gegenüber den Menschen besaß, die sie liebte.

 

Eine Freundschaft im Schatten der Heiligkeit

Palmira Valentini steht nicht im Mittelpunkt der Gemma-Biografien. Sie war nicht Cäcilia Giannini, die Adoptivmutter, und nicht P. Germano, der Seelenführer. Doch sie erfüllte eine Rolle, die niemand sonst erfüllen konnte: Sie war Gemmas Freundin. Nicht als Beobachterin, nicht als geistliche Begleiterin, sondern als Gleichgesinnte – eine junge Frau, die täglich zur Kommunion ging, die Gemma aus eigenem Antrieb aufsuchte, die sich von ihrer Heiligkeit angezogen fühlte, ohne davon eingeschüchtert zu sein. Als Gemma nach ihrer Genesung Palmiras Besuche erwiderte, erklärte Palmira, sie fühle sich stets unwürdig, die Heilige zu empfangen. Doch sie empfing sie trotzdem – immer wieder. In dieser schlichten Treue liegt die Größe dieser Freundschaft. Gemma hatte wenige Freundinnen. Die meisten Menschen in ihrer Umgebung verstanden sie nicht, bespitzelten sie oder hielten sie für verrückt. Palmira Valentini gehörte zu jenen seltenen Seelen, die in Gemma nicht das Rätselhafte sahen, sondern das Schöne: eine große und schöne Seele, wie sie es vom ersten Augenblick an erkannte.