Unter den deutschsprachigen Veröffentlichungen über die heilige Gemma Galgani ragt ein Werk besonders heraus: die dreibändige Reihe „Die Torheit des Kreuzes" von Pater Jean-François Villepelée, erschienen im Schweizer Parvis-Verlag in Hauteville. Es handelt sich um das umfassendste Werk zur Spiritualität und zum Leben der Mystikerin aus Lucca, das in deutscher Sprache erhältlich ist, und es gilt bis heute als Standardwerk für alle, die sich ernsthaft mit Gemma Galgani befassen wollen.
Die drei Bände folgen dem inneren Weg Gemmas wie den Stufen eines geistlichen Aufstiegs. Der erste Band, „Der Aufstieg einer Seele" (1978, 152 Seiten), bietet eine umfassende Darstellung ihres kurzen Lebens und ihres erschütternden Sühneleidens, das zugleich überreich an geistlichen Gunsterweisungen des Himmels gewesen sei. Villepelée zeichnet hier das äußere Leben Gemmas nach: Kindheit und Jugend in Lucca, den frühen Verlust beider Eltern, die schwere Krankheit und wunderbare Heilung, das Empfangen der Stigmata und die Aufnahme bei der Familie Giannini. Die Bände 1 und 2 wurden von Franz Rütsche aus dem Französischen übersetzt, der dritte Band von Maria Lagier.
Der zweite Band, „Die Versenkung in das Mysterium" (1978, 180 Seiten), versucht das geistliche Leben der Heiligen tiefer zu ergründen. Der Verfasser stützt sich dabei auf beinahe alle Schriften der jungen Mystikerin. Dank der zahlreichen daraus geschöpften und wiedergegebenen Texte wird es dem Leser ermöglicht, das in der Stille vom Heiligen Geist bewirkte Werk in Gemmas geistlicher Entwicklung nachzuvollziehen. Villepelée lässt Gemma hier weitgehend selbst zu Wort kommen – durch Auszüge aus ihrer Autobiographie, dem Tagebuch und den Briefen an ihren Seelenführer Padre Germano. Damit wird auch jenes Paradox greifbar, das Gemmas Innenleben ausmacht: das ungeheure Sühneleiden, das zugleich von übernatürlicher Freude durchdrungen war.
Mit dem dritten Band, „Überströmende Liebe" (1994), treten wir in die letzte Phase des mystischen Weges ein, den die heilige Gemma zurückgelegt hat. Villepelée führt durch eine vertiefte Darstellung der Dokumente bis an die Schwelle dieser Seele, die nur mehr Christus kennen wollte – und zwar Christus als den Gekreuzigten. Dieser abschließende Band behandelt die letzten Lebensjahre Gemmas, ihre mystische Teilnahme an allen Schmerzen der Passion, ihr Angebot als Sühneopfer für die Sünder und schließlich ihren Tod am Karsamstag 1903. Dass der dritte Band erst 16 Jahre nach den ersten beiden erschien, mag die Tiefe und Sorgfalt widerspiegeln, mit der Villepelée das Quellenmaterial bearbeitete.
Der Titel der Trilogie spielt auf das paulinische Wort an, dass das Wort vom Kreuz denen, die verlorengehen, als Torheit gilt, den Geretteten aber als Kraft Gottes (1 Kor 1,18). Genau darin liegt die Pointe von Villepelées Deutung: Gemmas Leben ist in den Augen der Welt unverständlich, ja anstößig – ein junges Mädchen, das Wundmale trägt, das in Ekstasen die Leiden Christi nachvollzieht, das körperlich verfällt und in Armut stirbt. Doch für den gläubigen Blick enthüllt sich in dieser scheinbaren Torheit eine Liebesgeschichte zwischen Gott und einer Seele von seltener Intensität.
Wie tief Gemma Galgani auch andere Heilige berührt hat, zeigt ein häufig zitiertes Wort des heiligen Maximilian Kolbe, das auch die Verlagsbeschreibung aufgreift: Er habe dreimal das Leben Gemma Galganis gelesen, und diese Lektüre habe ihm mehr gegeben als viele geistliche Übungen.
Für alle, die über die kürzeren biographischen Darstellungen hinaus in die mystische Welt der heiligen Gemma Galgani eintauchen möchten, bleibt „Die Torheit des Kreuzes" die erste Adresse in deutscher Sprache.
Erhältlich beim Parvis-Verlag:
1: Die Torheit des Kreuzes (Band 1) - Heilige Gemma Galgani:
Der
Aufstieg einer Seele, 1978 (Parvis-Verlag)
2: Die Torheit des Kreuzes (Band 2) - Heilige Gemma Galgani:
Die Versenkung in das Mysterium, 1978 (Parvis-Verlag)
3: Die Torheit des Kreuzes (Band 3) - Heilige Gemma Galgani:
